Sepsis: Oft unerkannt und sehr gefährlich

Mit einer harmlosen Erkältung kann es beginnen und schleichend lebensbedrohlich werden – die Sepsis. Im Volksmund wird sie auch als „Blutvergiftung“ bezeichnet. Sepsis stellt die schwerste Verlaufsform einer Infektion dar und endet häufig tödlich. Das tückische bei einer Sepsis ist, dass die Symptome zu Beginn unspezifisch sind und sich kaum von einer normalen Grippe unterscheiden. Von daher hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit gemeinsam mit den Partnern Sepsis Stiftung, Sepsisdialog und Deutsche Sepsis-Hilfe die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Bevölkerung über die Erkrankung und das richtige Verhalten bei Verdacht auf Sepsis aufzuklären. Der PKV-Verband gehört zu den Förderern des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und unterstützt die Kampagne.

Was ist eine Sepsis?

Meistens wird eine Sepsis durch Bakterien, selten durch Viren oder Pilze hervorgerufen. Sie entsteht, entgegen der weit verbreiteten Meinung, nicht immer durch eine äußerlich sichtbare, entzündete Wunde, sondern auch z. B. durch eine Harnwegsinfektion oder Lungenentzündung. Wenn diese Infektionen lokal nicht begrenzt werden können, dringen Erreger in die Blutbahn ein. Das Immunsystem antwortet dann mit einer Abwehrreaktion, die so massiv ist, dass das eigene Gewebe und die eigenen Organe geschädigt werden. In diesem Fall kann es zu einem Schock, zu Multiorganversagen und schließlich zum Tod führen. Mit ca. 75.000 Todesfällen pro Jahr ist Sepsis mittlerweile, nach Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Krebserkrankungen, die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Wie erkenne ich eine Sepsis?

Eine Sepsis wird oft von Patienten und auch von Medizinern mit einer Erkältung oder Grippe verwechselt, da die Symptome zu Beginn sehr unspezifisch sind. Dadurch geht viel Zeit verloren.

Auf diese Warnzeichen sollten Sie unter anderem achten:

  • Fieber, Schüttelfrost
  • Verwirrtheit oder Wesensveränderung
  • schneller Puls, Herzrasen
  • Kurzatmigkeit, schnelle Atmung
  • Schmerzen, extremes Krankheitsgefühl
  • Schwitzen, fleckige Haut an Armen / Beinen
  • niedriger Blutdruck, schläfrig

(Weitere Informationen dazu unter: https://www.deutschland-erkennt-sepsis.de/materialien-fuer-patienten)

Wenn zudem Anzeichen einer Infektion (z.B. der Haut, der Lunge, der Harnwege) vorliegen, sollte man an Sepsis denken und sofort medizinische Hilfe suchen. Sepsis ist ein Notfall und eine sofortige Krankenhausbehandlung überlebenswichtig!

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit empfiehlt: „Wenn mindestens zwei Sepsis-Symptome vorliegen – immer Notruf wählen! Fragen Sie Ärzte oder die Rettungsleitstelle: „Könnte es Sepsis sein?“ Lassen Sie sich nicht abwimmeln!“

Kurzfilm zum Kampagnenstart: GÖNN DEM TOD NE PAUSE!

 

 

Wie wird eine Sepsis behandelt?

Eine Sepsis muss immer im Krankenhaus behandelt werden. In schwereren Fällen erfolgt eine Verlegung auf die Intensivstation. Nach der Diagnose sollte schnellstmöglich mit der Behandlung begonnen werden. Sie besteht aus den folgenden lebenswichtigen Maßnahmen:

• Blut abnehmen für Blutkulturen

• Blut abnehmen für Laborwerte

• Antibiotika geben

• intravenöse Flüssigkeit geben („Tropf“ anlegen)

• Urinausscheidung kontrollieren

• ggf. Sauerstoffmaske anlegen

Werden Infektionsherde gefunden, werden diese – soweit möglich – entfernt. Dabei können auch chirurgische Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Entscheidend ist: bei einer Sepsis darf keine Zeit vergeudet werden, denn jede Stunde zählt für das Überleben. Je früher eine Sepsis und die zugrundeliegende Infektion erkannt wird, umso schneller lässt sich dagegen vorgehen. Das kann Leben retten und Langzeitfolgen reduzieren.

Langzeitfolgen von Sepsis

Langzeitfolgen können nach einer Sepsis sehr vielfältig und zum Teil auch erst Jahre später in Erscheinung treten. Dazu zählen:

Häufige, aber nicht sofort erkennbare körperliche Schäden

Insbesondere Schädigungen des Gehirns und der Nervenbahnen, die dann zu kognitiven Störungen sowie zu Muskel- und Nervenschwäche führen.

Leicht erkennbare körperliche Schäden

Amputationen sowie andere infolge von notwendigen operativen Eingriffen entstandene körperliche Schäden (z.B. Bauchdeckenschwäche, Organschäden wie Herz- und Nierenfunktionsstörungen).

Psychische Folgen

Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Soziale Folgen

Diese treten durch die langandauernde Krankheit auf, die vielfach zur Erwerbsunfähigkeit führt.

Wie kann ich mich vor Sepsis schützen?

Direkt kann man sich nicht vor einer Sepsis schützen, aber vor einer Infektion. Um Infektionen vorzubeugen, helfen folgende Maßnahmen:

  • Allgemeine Hygiene beachten: z.B. Hände- und Lebensmittelhygiene
  • gesunde Lebensweise
  • sorgfältiger Umgang mit Wunden und entzündeten Insektenstichen
  • Aufmerksamkeit und ggf. ärztliche Behandlung bei Infektionen
  • konsequente Behandlung von chronischen Krankheiten (z.B. Diabetes)
  • Impfungen entsprechend der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) wahrnehmen

Was Sie sonst noch tun können?

Unterstützen Sie die Kampagne, sprechen Sie mit Freunden und Verwandten und teilen Sie die Informationen. #DeutschlandErkenntSepsis. 

Februar 2021

  • print
  • Mail