Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze 2019 und ihre Folgen

Im kommenden Jahr wird für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer erneut der Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) erschwert. Zugleich werden zahlreiche privatversicherte Arbeitnehmer versicherungspflichtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Aber es gibt auch eine positive Nachricht: Der Arbeitgeberzuschuss zu Ihrer privaten Krankenversicherung erhöht sich. Diese Informationen sind dem Entwurf für die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2019 zu entnehmen, von dem verschiedene Medien berichtet haben.

Hintergrund: In der Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung passt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales jährlich die Rechengrößen (Beitragsbemessungsgrenzen und Versicherungspflichtgrenze) der Lohnentwicklung an. Relevant ist immer das zurückliegende Jahr, für 2019 also das Jahr 2017. Das Bundeskabinett muss die Verordnung verabschieden und der Bundesrat muss zustimmen, bevor sie – meistens im November – im Bundesgesetzblatt verkündet wird.

Die Rechengrößen 2019 im Überblick

Die Rechengrößen bestimmen darüber, bis zu welchem Einkommen Beiträge an die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind (Beitragsbemessungsgrenzen). Eine weitere Rechengröße gibt die Einkommensgrenze an, ab welcher sich Arbeitnehmer privat versichern können (Jahresarbeitsentgeltgrenze bzw. Versicherungspflichtgrenze). Hinsichtlich Ihrer privaten Krankenversicherung sind für Sie als Arbeitnehmer die folgenden Rechengrößen interessant:

 

2019

2018

 

Jahr

Monat

Jahr

Monat

Versicherungspflichtgrenze

60.750 €

5.062,50 €

59.400 €

4.950 €

Beitragsbemessungsgrenze

54.450 €

4.537,50 €

53.100 €

4.425 €

Aus den Beitragsbemessungsgrenzen ergeben sich die Höchstbeiträge für die einzelnen Sozialversicherungszweige. Jede Änderung der Rechengrößen wirkt sich deshalb auf den Beitrag derjenigen aus, die gesetzlich festgelegte Höchstbeiträge zahlen. So wird durch die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung 2019 der Höchstbeitrag für gesetzlich Versicherte auf 703,32 Euro steigen. Im Jahr 2018 lag der GKV-Höchstbeitrag plus durchschnittlichem Zusatzbeitrag noch bei 690,31 Euro.  

Beitragsbemessungsgrenze 2019: Höhere Arbeitgeberzuschüsse zur PKV

Der maximale Arbeitgeberzuschuss zu Ihrer privaten Krankenversicherung bemisst sich bisher nach der Beitragsbemessungsgrenze und dem allgemeinen Beitragssatz  der Gesetzlichen Krankenversicherung. Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 14,6 Prozent. Durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze steigt deshalb auch der höchstmögliche Arbeitgeberzuschuss.

Für das kommende Jahr ist eine Veränderung in der Beitragsgestaltung der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen, die sich positiv für Sie auswirkt: Der Zusatzbeitragssatz, den die Krankenkassen erheben, soll nicht mehr nur von den Arbeitnehmern bezahlt werden. Da die Arbeitgeber die Hälfte des Zusatzbeitrags finanzieren sollen, wird dieser Betrag auch in den Arbeitgeberzuschuss mit eingerechnet. Für 2019 wird ein durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz von 0,9 Prozent veranschlagt. Damit erhöht sich der maximale Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung 2019 auf monatlich

4.537,50 Euro x (0,146 + 0,009) / 2 = 351,66 Euro

Auch der Arbeitgeberzuschuss zur Pflegepflichtversicherung ist ab Januar 2019 höher. Neben der Beitragsbemessungsgrenze soll hier zudem der Beitragssatz von 2,55 bzw. 2,8 Prozent für Kinderlose um 0,5 Prozentpunkte angehoben werden. Für Ihren Beitrag zur Pflegepflichtversicherung bedeutet das damit 2019 einen Höchstzuschuss von monatlich

4.537,50 Euro x 0,0305 / 2 = 69,20 Euro

In der Privaten Pflegepflichtversicherung müssen Kinderlose aufgrund der nachhaltigen Beitragskalkulation keinen höheren Beitrag zahlen. Der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Pflegepflichtversicherung bemisst sich allein aufgrund des niedrigeren Beitragssatzes.

Hier finden Sie einen tabellarischen Überblick über die Zuschüsse zu Ihrer privaten Kranken- und Pflegeversicherung.

Die neue Versicherungspflichtgrenze übersteigt Ihr Einkommen?

Sind Sie Arbeitnehmer, gilt für Sie grundsätzlich: Sie sind versicherungsfrei und können sich privat krankenversichern, solange Ihr regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Welche Teile Ihres Gehaltes dabei berücksichtigt werden, erfahren Sie hier.

Sie sollten dabei beachten, dass es zwei Versicherungspflichtgrenzen gibt. Für diejenigen, die bereits vor 2003 als Arbeitnehmer ein Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze hatten und privat krankenversichert waren, gilt eine niedrigere Grenze. Diese ist identisch mit der Beitragsbemessungsgrenze, liegt 2019 also bei 54.450 Euro. Für alle anderen Arbeitnehmer gilt die höhere, oben genannte Versicherungspflichtgrenze von 60.750 Euro (2019).

Wird die für Sie geltende Versicherungspflichtgrenze nun so stark angehoben, dass sie Ihr Jahresarbeitsentgelt übersteigt, werden Sie versicherungspflichtig in der GKV. In dieser Situation haben Sie zwei Möglichkeiten:

1. Sie wechseln in die GKV. Hierfür müssen Sie innerhalb von drei Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht  (also bis  Ende März 2019) Ihre private Krankenversicherung kündigen und einen Nachweis vorlegen, dass Sie versicherungspflichtig in der GKV sind. Anderenfalls darf Ihr bisheriger Versicherer die Kündigung nicht akzeptieren.

Sie können zusätzlich bei Ihrer PKV einen Antrag stellen, dass Ihre Vollversicherung in eine Zusatzversicherung umgewandelt wird. Die Ihnen zuzuordnenden Alterungsrückstellungen werden dann bei der Beitragskalkulation berücksichtigt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Hiermit erleichtern Sie sich eine spätere Rückkehr in die PKV.

2. Sie lassen sich von der Versicherungspflicht befreien. Hierfür müssen Sie innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht einen Befreiungsantrag bei einer gesetzlichen Krankenkasse stellen. Die Befreiung ist unwiderruflich. Allerdings können neue Tatbestände wie z. B. Teilzeitarbeit im Rahmen der Elternzeit oder der Bezug von Arbeitslosengeld später erneut Versicherungspflicht auslösen.

November 2018 (aktualisiert)

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