Beginnt die Ära der 100-Jährigen?

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Mit Mitte 40 gerade mal in der Lebensmitte – das wird laut Forschern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung für die meisten Menschen in Deutschland kein Wunschtraum mehr sein, sondern Realität. Ausgehend von der steigenden Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzehnten haben sie die weitere Entwicklung hochgerechnet.

Heute 50-jährige Frauen und Männer werden demzufolge im Durchschnitt 88 bzw. 84 Jahre alt. Mädchen des 2019er Jahrgangs erreichen durchschnittlich sogar ein Alter von fast 95 Jahren, Jungen von knapp 89 Jahren. Sehr anschaulich zeigt sich die Veränderung zwischen den Generationen, wenn man die Neugeborenen direkt mit den 50-Jährigen vergleicht, wie in diesem Schaubild der Initiative „7 Jahre länger“.

Während voraussichtlich die Hälfte der heute 50-jährigen Frauen das stolze Alter von 90 Jahren erreichen wird, können acht von zehn neugeborenen Mädchen damit rechnen. Jedes dritte Mädchen wird sogar seinen 100. Geburtstag feiern.

Je höher das Alter, desto höher die Gesundheitskosten

Die höhere Lebenserwartung wird Einfluss auf unser gesamtes Gesundheitssystem haben: Arzneimittel, Behandlungsmethoden, Pflegeangebote – alles wird noch stärker auf Menschen jenseits der 80 abgestimmt sein müssen. Je älter der Mensch ist, desto mehr Gesundheitsleistungen nimmt er in Anspruch. Beispielsweise benötigen 85-bis 89-Jährige 23 Mal mehr Arzneimittel als 20- bis 24-Jährige (Arznei-Verordnungsreport 2018 der GKV).

Wer häufiger behandelt werden muss, verursacht auch mehr Kosten. Die statistischen Daten der PKV belegen dies: Bei den 86- bis 90-jährigen Frauen waren bspw. die Pro-Kopf-Ausgaben für Krankenhausbehandlung 2017  6,5 Mal höher als bei den 41- bis 45-jährigen Frauen. Bei den Männern waren sie sogar 11,5 Mal höher (siehe Zahlenbericht der PKV 2017).

Wenn ältere Menschen höhere Gesundheitskosten verursachen, als Rentner aber ein niedrigeres Einkommen als in jüngeren Jahren haben, stellt sich die Finanzierungsfrage. Hier gibt es verschiedene mögliche Antworten. Die Sozialversicherungen – gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung – sehen seit jeher vor, dass die Erwerbstätigen mit ihren aktuellen Beiträgen die Rentner (mit)finanzieren.

Die Private Krankenversicherung handhabt dies anders. Sie bildet für jeden Versicherten Alterungsrückstellungen. In jüngeren Jahren zahlen die Versicherten einen höheren Beitrag, der verzinslich angelegt wird, und finanzieren so spätere Kosten vor. Sie sind deshalb nicht auf die nachfolgenden Generationen angewiesen. Die Beitragskalkulation berücksichtigt zudem die Lebenserwartung der Versicherten. Ändert diese sich nachgewiesen und dauerhaft, werden die Beiträge frühzeitig entsprechend erhöht oder gesenkt.

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