Wie berechnet Ihr Arzt die Gebühren für eine Online-Sprechstunde?

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Haben Sie schon einmal das Angebot für eine Online-Sprechstunde genutzt? Dann gehören Sie zu einer wachsenden Zahl von Menschen in Deutschland, die einen Arzt oder eine Ärztin per Computer oder Smartphone um Hilfe gebeten haben. In der Corona-Pandemie haben die sogenannten telemedizinischen Behandlungen einen Schub erlebt. Jeder achte Deutsche ist nach einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom schon mal online zum Arzt gegangen – drei Mal so viele wie noch vor einem Jahr. Und die Zahlen dürften weiter steigen: Jeder Zweite kann sich heute vorstellen, eine Videosprechstunde zu vereinbaren.

Bundesärztekammer veröffentlicht Abrechnungsempfehlungen für telemedizinische Behandlungen

Die Telemedizin liegt zwar im Trend, dennoch ist der Arzttermin per Videoübertragung in Deutschland eine relativ junge, immer noch wenig etablierte Behandlungsmethode. Viele Privatversicherte erhalten in diesen Tagen zum ersten Mal eine entsprechende Arztrechnung. Auch für viele Ärztinnen und Ärzte sind telemedizinische Leistungen  das gerne zitierte Neuland. Denn erst mit der Ausbreitung des Coronavirus haben viele Arztpraxen reagiert und ihren Patientinnen und Patienten zum Schutz vor einer möglichen Ansteckung eine Videosprechstunde angeboten.

Für eine klare und nachvollziehbare Abrechnung hat die Bundesärztekammer (BÄK) darum in Abstimmung mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und der Beihilfe den Ärzten und Privatpatienten Abrechnungsempfehlungen zu telemedizinischen Leistungen zur Verfügung gestellt. Der Beschluss der BÄK ist zwar im Kontext der hohen Nachfrage während der aktuellen Corona-Pandemie entstanden. Die Empfehlungen gelten aber darüber hinaus und sind nicht befristet. 

Die Abrechnungsempfehlungen für telemedizinische Behandlungen im Überblick

Die BÄK gibt nicht nur Abrechnungsempfehlungen zur Beratung und Untersuchung von Patientinnen und Patienten. Nutzen Patientinnen digitale Gesundheitsanwendungen, benötigen sie vom Arzt eine Verordnung sowie eine Einweisung in die Nutzung und Kontrolle der Messungen. Auch hierfür bietet die Empfehlung Abrechnungspositionen. Zudem enthält die Empfehlung Hinweise zur Abrechnung eines Medikationsplanes.

Die Abrechnungsempfehlungen im Einzelnen:

(1) Beratung durch den Arzt mittels E-Mail 
(Chat und SMS ausgeschlossen) 
analog Nr. 1 GOÄ 

(2) Beratung durch den Arzt mittels Videoübertragung (z. B. Videosprechstunde) 
originär Nr. 1 GOÄ bzw. Nr. 3 GOÄ 
Hinweis: Die Videoübertragung (z. B. Videosprechstunde) stellt eine besondere Ausführung der Beratung mittels Fernsprecher dar und berechtigt daher zur originären Berechnung der Ziffer. 

(3) Visuelle symptomatische klinische Untersuchung mittels Videoübertragung (z. B. Videosprechstunde) 
analog Nr. 5 GOÄ 

(4) Ausstellung von Rezepten und/oder Überweisungen und/oder Übermittlung von Befunden oder ärztlichen Anordnungen mittels Videotelefonie, E-Mail (Chat und SMS ausgeschlossen), durch Medizinische Fachangestellte 
analog Nr. 2 GOÄ 

(5) Erstellung oder Aktualisierung und ggf. elektronische Übersendung eines Medikationsplans 
analog Nr. 70 GOÄ 

(6) Verordnung und ggf. Einweisung in Funktionen bzw. Handhabung sowie Kontrolle der Messungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen 
analog Nr. 76 GOÄ

(7) Vorstellung eines Patienten und/oder Beratung über einen Patienten in einer interdisziplinären und/oder multiprofessionellen Videokonferenz, zur Diagnosefindung und/oder Festlegung eines fachübergreifenden Behandlungskonzepts 
originär Nr. 60 GOÄ 

(8) Gemeinsame ärztliche telekonsiliarische Fallbeurteilung im Rahmen diagnostischer Verfahren (z. B. bildgebender Verfahren wie CT-, MRT-, Röntgenaufnahmen, Videoendoskopie etc. und/oder z. B. histologischer Befundungen wie Schnittdiagnostik, Ausstrich) („Telekonsil“)
analog Nr. 60 GOÄ 

(9) Telemetrische Funktionsanalyse eines Herzschrittmachers, eines Kardioverters bzw. Defibrillators und/oder eines implantierten Systems zur kardialen Resynchro-nisationstherapie (CRT), wenn die Daten über eine größere räumliche Entfernung übertragen werden (z. B. aus der häuslichen Umgebung des Patienten heraus). 
analog Nr. 661 GOÄ 

Hinweis zu den vom Vorstand der Bundesärztekammer in seiner Sitzung vom 14./15.05.2020 (Wahlperiode 2019/2023) beschlossenen Abrechnungsempfehlungen zu telemedizinischen Leistungen:
Bei der Rechnungsstellung ist im Sinne der Transparenz und Nachvollziehbarkeit die telemedizinische Erbringung der Leistungen im Klartext und ggf. mit der jeweiligen Mindestdauer iSv. § 12 Abs. 2 Nr. 2 GOÄ anzugeben.

Juli 2020

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