Vergleich: Die Nachhaltigkeit der Sozialen und Privaten Pflegeversicherung

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In der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) sind seit ihrer Einführung im Jahr 1995 versteckte Schulden von 435 Milliarden Euro aufgelaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP). Für diesen Schuldenberg müssen vor allem die Beitragszahler von morgen aufkommen – ungeachtet der hohen Lasten durch die demografischen Veränderungen. Und wie sieht es mit der nachhaltigen Finanzierung der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) aus? In den folgenden Fragen und Antworten machen wir den Vergleich.

Was sind überhaupt „versteckte“ Schulden?

Bei der impliziten oder versteckten Verschuldung der Sozialen Pflegeversicherung handelt es sich um das Versprechen zukünftiger Leistungen, die durch die heutigen Beiträge der Versicherten nicht gedeckt sind. Das ist möglich, weil im Umlageverfahren der SPV stets die aktuelle Generation der Beitragszahler die Kosten der aktuell Pflegebedürftigen tragen muss – das System lebt sozusagen „von der Hand in den Mund“.

Schon mit Einführung der SPV entstanden die ersten impliziten Schulden: Nach einer nur kurzen Phase der Einzahlung erhielten die Pflegebedürftigen bereits Versicherungsleistungen. Diese wurden in erster Linie von den jüngeren Generationen finanziert. Dieser Vorgang wiederholt sich mit jeder weiteren Ausweitung der Versicherungsleistungen. Denn es erhalten auch jene Versicherten die neuen, zusätzlichen Leistungen, die keine Beiträge für sie gezahlt haben.

Gibt es in der Privaten Pflegeversicherung auch versteckte Schulden?

In der Privaten Pflegepflichtversicherung und den privaten Pflegezusatzversicherungen gibt es keine versteckten Schulden. Anders als im Umlageverfahren der SPV sorgt im kapitalgedeckten System der PPV jede Generation selbst für sich vor. Die Versicherung bildet für Versicherte mit jungem Lebensalter mit einem großen Teil der Beiträge Überschüsse (die Alterungsrückstellungen) und legt diese am Kapitalmarkt an (z.B. in Staatsanleihen und Aktien). Dabei werden die Beiträge so kalkuliert, dass sie bei gleichbleibenden Rechnungsgrundlagen (u.a. Leistungsumfang, Lebenserwartung, Zinsen) über das gesamte Leben der Versicherten konstant sind. Im Alter sorgen die Alterungsrückstellungen für stabile Beiträge. Kommt es jedoch zu einer Einführung zusätzlicher Leistungen wie durch die Pflegereformen in den Jahren 2017 und 2019, müssen die Beiträge entsprechend angepasst werden. Mittlerweile hat die PPV für die künftigen Ansprüche ihrer rund 9 Millionen Versicherten seit 1995 Rücklagen in Höhe von über 36 Milliarden Euro aufgebaut. 

Weitere Informationen zur Beitragskalkulation in der PKV.

Wie stark belasten die versteckten Schulden die künftigen Beitragszahler?

Nach dem nachhaltigen Finanzierungsverfahren der Privaten Pflegeversicherung hätte die Soziale Pflegeversicherung bis zum Jahr 2017 Rücklagen von 435 Milliarden Euro bilden müssen. Und der Druck auf das Umlageverfahren wird spätestens mit Eintritt der sogenannten Babyboomer-Generation ins Rentenalter weiter zunehmen. Dann nämlich müssen deutlich weniger erwerbstätige Beitragszahler die hohen Pflegekosten schultern.

In der Folge wird der Beitragssatz in der SPV deutlich steigen: Die Experten des WIP haben in einer weiteren Studie zur zukünftigen Finanzentwicklung der Sozialen Pflegeversicherung berechnet, dass der Pflege-Beitragssatz allein durch die Alterung der Gesellschaft bis 2040 von 3,05 Prozent auf mindestens 4,1 Prozent steigen muss. Ein 1989 Geborener mit durchschnittlichem Einkommen muss dann in seinem Leben über 38.000 Euro und damit über 50 Prozent mehr für die Pflegeversicherung zahlen als ein 1966 Geborener.

Gibt es Pläne in der Politik, die jüngeren Generationen zu entlasten?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Aktuell wird vor allem darüber diskutiert, die Pflegeversicherung in eine sogenannte Vollversicherung umzubauen oder die Eigenanteile in Pflegeeinrichtungen zu deckeln. Beide Forderungen würden jedoch neue Leistungsausweitungen bedeuten und damit die jüngeren Generationen im Umlageverfahren zusätzlich belasten. Wenn man schon neue Leistungen in der Pflegeversicherung einführen wolle, dann sollten sie besser im Kapitaldeckungsverfahren abgesichert werden, so die Experten des WIP.

Juni 2019

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