Tipps zum sicheren Umgang mit Medikamenten

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Richtig eingesetzt helfen Medikamente, Krankheiten vorzubeugen und zu heilen sowie Beschwerden zu lindern. Egal, ob es sich um eine vorübergehende Erkrankung oder ein chronisches Gesundheitsproblem handelt: Der Umgang mit Medikamenten ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Die Medikamente nach Vorschrift einzunehmen, ist oft nicht einfach.

Wer zum Beispiel wegen mehrerer Beschwerden dauerhaft behandelt wird, muss oft eine Vielzahl unterschiedlicher Tabletten schlucken. In der Fachsprache heißt das „Multimedikation“ oder „Polypharmazie“.

Problematisch dabei ist, dass mit steigender Anzahl der eingenommenen Medikamente das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen steigt. Diese können durch Fehler bei der Medikamenteneinnahme, wie beispielsweise einen falschen Einnahmezeitpunkt, falsche Handhabung, Verwechselung oder vergessene Einnahme entstehen. Auch Wechselwirkungen der Arzneimittel untereinander oder mit Lebens- und Genussmitteln können kritische Folgen haben. Medikamente verlässlich einzunehmen und zu dosieren stellt – gerade für ältere oder auf sich selbst gestellte Menschen - eine große Herausforderung dar.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) hat sich anlässlich des diesjährigen Welttages der Patientensicherheit dem Thema sichere Medikation gewidmet. Das Aktionsbündnis geht davon aus, dass 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die drei oder mehr Medikamente einnehmen, schon einmal Tabletten vergessen, zum falschen Zeitpunkt eingenommen oder verwechselt haben. Dem APS zufolge führen solche Medikationsfehler zu circa 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr, was ungefähr fünf Prozent aller Fälle ausmacht.

Zum richtigen Umgang mit Medikamenten haben wir uns mit Sarah Geiling, Apothekerin und Referentin für ambulante Leistungen im PKV-Verband, unterhalten:

Woran erkenne ich, dass ich meine Medikamente nicht richtig einnehme?

Häufig deuten gastrointestinale Probleme (Probleme des Magen-Darm-Trakts) auf eine falsche Einnahme hin. Jedoch ist nicht immer erkennbar, dass ein Medikament falsch eingenommen wurde. Aus diesem Grund ist eine ausführliche Beratung zum richtigen Einnahmezeitpunkt und zu weiteren Einnahmehinweisen durch den behandelnden Arzt oder die Apotheke wichtig. Ändert sich Ihre Medikation, sollte eine erneute Beratung erfolgen. Sofern mehrere Medikamente eingenommen werden, sollte dies in der Beratung angesprochen werden.

Kann ich eigentlich verhindern, dass mir falsche Medikamente verordnet werden?

Die Verordnungshoheit für verschreibungspflichtige Medikamente liegt beim behandelnden Arzt, der entsprechend der medizinischen Notwendigkeit das passende Medikament auswählt. Sollten Bedenken bezüglich der Richtigkeit der Verordnung bestehen, helfen genaue Nachfragen. Beispiele für Fragen sind: „Wofür wird das Medikament genau verordnet?“, „Wie wirkt das Medikament?“, „Verträgt sich das Medikament mit den anderen Arzneimitteln, die ich einnehme?“. Es ist sinnvoll, alle offenen Fragen zu stellen, bis die Verordnung nachvollziehbar ist.

Woran erkenne ich an meinen Kindern oder zu pflegenden Angehörigen, dass sie die verordneten Medikamente nicht gut vertragen?

Um zu erkennen, dass ein Medikament nicht gut vertragen wird, muss man sich mit dessen unerwünschten Arzneimittelwirkungen auskennen. Diese finden sich im Beipackzettel wieder, der vor jeder neuen Medikamenteneinnahme gelesen werden sollte. Kinder oder pflegenden Angehörige sollte man zu den dort aufgeführten, unerwünschten Arzneimittelwirkungen befragen, um diese rechtzeitig erkennen zu können. Treten vermutete Nebenwirkungen auf, sollte eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Haben Sie ganz persönlich noch Hinweise oder Tipps zur sicheren Medikamenteneinnahme?

Sofern Sie mehrere Medikamente einnehmen, ist es hilfreich sich eine Medikamenteneinnahme-Übersicht zu erstellen, die alle erfragten Informationen abbildet und regelmäßig aktualisiert wird. Hierbei sollte mindestens das Medikament mit Wirkstoff und Dosierung aufgeführt werden, die Indikation für die Sie das Medikament einnehmen und der Einnahmezeitpunkt mit der verabreichten Menge. Zudem ist es sinnvoll, sich besondere Einnahmehinweise zu notieren, wie beispielsweise „nicht mit Milch einnehmen“ etc..

Eine Medikationsberatung ist bei der Einnahme von mehreren Arzneimitteln sehr wichtig und sollte regelmäßig durchgeführt werden. Wenn Sie diese Beratung bei Ihrem behandelnden Arzt oder in der Apotheke in Anspruch nehmen, können Sie Ihre angefertigte Medikamenteneinnahme-Übersicht zur Bestandsaufnahme nutzen. Relevant für die Beratung sind auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die regelmäßig eingenommen werden.

Hinweis: Bei Privatversicherten kommt es allein auf die medizinische Notwendigkeit der Behandlung bzw. der Verordnung eines Medikamentes an. Der behandelnde Arzt kann deshalb zur Behandlung von Privatversicherten das zugelassene Medikament anwenden, das am besten für seine Behandlung geeignet ist. Die PKV erstattet im vertraglich vereinbarten Rahmen die Kosten für alle zugelassenen Arzneimittel – unabhängig davon, wie teuer sie sind und ob es ein anderes, preiswerteres Arzneimittel gegeben hätte. 

Der medizinische Leiter im Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), Dr. Norbert Loskamp, erklärt, wie Fehler vermieden werden können und wie sich der PKV-Verband engagiert:

September 2022

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