PKV: Corona-bedingte Zusatzausgaben 2020

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Seit dem Frühjahr 2020 sind wir in Deutschland gezwungen, in der Gesundheitsversorgung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zu reagieren. Der Kampf gegen die Pandemie erfordert nicht nur außerordentlichen Einsatz von Ärztinnen, Ärzten, Pflegekräften und anderen im Gesundheitswesen Tätigen. Er kostet auch viel Geld, das vom Bund und den Gesetzlichen Krankenkassen, aber auch von der Privaten Krankenversicherung kommt.

Die Private Krankenversicherung trägt sogar einen überproportionalen Anteil an der Finanzierung der Pandemiekosten. Wie hoch die Zusatzausgaben der PKV für das Jahr 2020 sind, kann gegenwärtig nur aufgrund von vorläufigen Daten und Erfahrungswerten geschätzt werden. Die PKV geht für 2020 von insgesamt über einer Milliarde Euro an Mehrkosten aus.

Wir geben an dieser Stelle einen Einblick, wie sich die Übernahme von Pandemiekosten durch die PKV auf die einzelnen Bereiche verteilt:

Corona-Mehrausgaben für ärztliche Behandlung

In Arztpraxen sind seit dem Ausbruch von COVID-19 umfangreichere Hygienemaßnahmen notwendig als üblich. Aus diesem Grund zahlt die PKV seit April 2020 pro Arztbesuch eine Hygienepauschale. Wegen anfänglich höherer Ausgaben für die Praxen betrug die Pauschale bis Ende September 14,75 Euro, seitdem ist sie auf 6,41 Euro gesenkt.

Der PKV-Verband schätzt, dass die Versicherer bis zum Jahresende 2020 insgesamt 466 Mio. Euro für die Reduzierung des Infektionsrisikos in Arztpraxen gezahlt haben.

In der ambulanten Arztbehandlung hat die PKV zudem eine Verstärkung der Telemedizin unterstützt. Für die erweiterte Telefonberatung geht der Verband für 2020 von gut 19 Mio. Euro an Zusatzaufwendungen aus.

Corona-Mehrausgaben für zahnärztliche Behandlung

Auch für die zahnärztliche Behandlung hat die PKV im vergangenen Frühjahr einer Hygienepauschale zugestimmt, die zunächst 14,23 Euro betrug und nun bei 6,19 Euro je Arzt-Patienten-Kontakt liegt.

Insgesamt kommt die PKV dadurch 2020 auf Mehrausgaben von 151 Mio. Euro in der zahnärztlichen Behandlung.

Corona-Mehrausgaben im Krankenhausbereich

Um die Krankenhäuser in der Pandemie finanziell zu entlasten bzw. unterstützen, hat der Gesetzgeber 2020 verschiedene Regelungen getroffen, deren Kosten die PKV mitträgt:

  • eine Erhöhung des sogenannten Pflegeentgeltwertes um ca. 38 Euro pro Tag
  • einen Zuschlag für Schutzausrüstungen von 50 bzw. 100 Euro pro Fall
  • die Einführung eines Sonderentgelts für Corona-Tests in Krankenhäusern
  • ein Bonus für Pflegekräfte im Krankenhaus.

Der Umfang der corona-bedingten Kosten, die die Private Krankenversicherung im Krankenhausbereich trägt, wird auf 384 Mio. Euro geschätzt.

Darüber hinaus werden die Krankenhäuser 2021 zum Beispiel noch Ausgleichszahlungen für Erlösrückgänge im Jahr 2020 gegenüber 2019 erhalten. In welcher Höhe diese liegen, ist derzeit noch unbekannt.

Corona-Mehrausgaben in weiteren Leistungsbereichen

Auch für Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten sowie Hebammen und Heilpraktiker wurde im vergangenen Jahr eine Hygienepauschale eingeführt. Diese beträgt pro Patientenkontakt 1,50 Euro. Insgesamt wird für die Branche ein Aufwand von 28 Mio. Euro geschätzt.

Bedingt durch die Corona-Pandemie haben Kundinnen und Kunden vermehrt Botendienste der Apotheken genutzt. Diese erhielten dafür zunächst jeweils 5 Euro und seit Oktober 2020 2,50 Euro. Die PKV geht hier für 2020 von 9 Mio. Euro aus.

Ausgaben für Corona-Tests

Wird eine Privatpatientin oder ein Privatpatient aufgrund von Symptomen auf das Coronavirus getestet, gehört dies zur medizinisch notwendigen Diagnostik, für die die PKV naturgemäß die Kosten übernimmt. Bei Privatversicherten werden die Testkosten aber gemäß Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet, weshalb die Vergütung hier deutlich über der anderer Kostenerstatter liegt. Dadurch kann auch die Übernahme dieser Testkosten als Beitrag zur Finanzierung der Pandemie gesehen werden. Für 2020 rechnet die PKV in diesem Bereich mit Mehrausgaben in Höhe von 56 Mio. Euro.

Die genannten Werte gelten für 2020. Der weitere Verlauf der Pandemie in 2021 ist abzuwarten. Einige der Maßnahmen, an denen die PKV finanziell beteiligt ist, sind gegebenenfalls nicht mehr notwendig. Dafür kommen andere Aufgaben hinzu. So beteiligt sich die PKV zum Beispiel an den Kosten für die Impfzentren.

Januar 2021

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