Pflegeversicherung: Warum eine Kostenexplosion droht und wie wir sie abwenden können

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Bis zum Jahr 2030 werden etwa 4,8 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein. Rund ein Viertel der derzeit Pflegebedürftigen lebt bereits heute in stationären Pflegeeinrichtungen. Im Bundesdurchschnitt müssen sie dort zusätzlich zu den Leistungen der Pflegeversicherung rund 2.000 Euro im Monat aus der eigenen Tasche zahlen. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant nun eine neue Pflegereform: Um Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen dauerhaft zu entlasten, möchte er deren monatlichen Eigenanteil an den Pflegekosten auf 700 Euro begrenzen. Nach drei Jahren soll die Pflegeversicherung die gesamten Pflegekosten übernehmen. (Die übrigen Kosten wie Unterkunft und Verpflegung von durchschnittliche ca. 1.200 Euro/Monat sind von den Pflegebedürftigen aber weiterhin selbst zu zahlen.) Zudem soll es höhere Tariflöhne für Pflegekräfte und neue Hilfen für pflegende Angehörige geben. 

Pflegereform: Wer soll die zusätzlichen Lasten tragen?

Die von Minister Spahn geplanten neuen Leistungen der Pflegeversicherung werden richtig teuer: Bis 2030 würde die Finanzierungslücke in der Sozialen Pflegeversicherung auf 16 Milliarden Euro steigen – pro Jahr. Wer wird diese zusätzlichen Lasten tragen?  Die großen Jahrgänge der Babyboomer gehen ab 2030 in den Ruhestand, zahlen dann deutlich weniger Beiträge und Steuern – und kommen zusehends ins pflegebedürftige Alter. Das führt zu stark steigenden Kosten, die von immer weniger aktiven Erwerbstätigen getragen werden müssen. Dabei ist es letztlich egal, ob die Jüngeren diese Pflegekosten durch Sozialbeiträge oder Steuern aufbringen müssen. In jedem Fall stellt sich die Frage nach der Generationengerechtigkeit.

In unserem Themenheft zur Pflegeversicherung erläutern wir Ihnen die erwartbaren Kostenentwicklungen und geben Ihnen einen Einblick, wie sich die Private Krankenversicherung (PKV) für eine nachhaltige Gestaltung der Pflegesystems einsetzt. Darüber hinaus informieren wir über

  • die wichtigsten Daten und Fakten zur Pflege und Pflegeversicherung
  • die Finanzsituation der älteren Bevölkerung
  • den Irrtum, dass Vorsorge teuer ist.

November 2020

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