Lieferengpass bei Grippeimpfstoffen?

© iStock: MarianVejcik

Dass die Menschen in diesem Jahr wegen der SARS-CoV-2-Pandemie besonders sensibilisiert sind und sich ganz gezielt vor der saisonalen Grippe schützen wollen, ist sehr zu begrüßen. Allerdings scheint die starke Nachfrage nach Impfstoffen einen bisher in dieser Form nicht bekannten Effekt auszulösen: Privatversicherte berichten von einem möglicherweise temporären Lieferengpass. Und auch in verschiedenen Medien war zu lesen, dass viele Apotheken, besonders in größeren Städten, keine Influenza-Impfstoffe mehr vorrätig hätten und diese auch nicht kurzfristig nachbestellen könnten.

Dabei hat die Bundesregierung für diese Grippesaison mit Blick auf die Corona-Pandemie 30 Prozent mehr Influenza-Impfstoffe geordert als im Jahr zuvor. Daher sollten zumindest für diejenigen Personen, deren Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird, ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen. Selbstverständlich besteht für sämtliche Privatversicherte, welche die Kriterien der STIKO erfüllen, ein Anspruch auf die Influenza-Impfung.

Keine Benachteiligung Privatversicherter

Versorgungsengpässe treffen gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen. Eine Benachteiligung einzelner Patientengruppen ist dabei von Gesetzes wegen ausgeschlossen: Apotheken haben einen Sicherstellungsauftrag für die gesamte Bevölkerung, gewährleisten also auch den Individualbezug auf PKV-Rezept.

Dabei ist es keineswegs untersagt, aus Großpackungen, in denen Impfstoffe seitens der Pharmafirmen vielfach ausgeliefert werden, einzelne Einheiten zu entnehmen und an Privatpatienten abzugeben. Ein Sicherstellungsauftrag besteht übrigens auch für die Pharmahersteller und die Apotheken beliefernden Großhändler.

Auch die Ärzte sind gefordert

Ärzte – insbesondere natürlich Hausärzte – sollten für die Influenza-Impfung ihrer privat versicherten und beihilfeberechtigten Patienten einen angemessenen Vorrat anlegen. Die verimpften Dosen dürfen den Patienten selbstverständlich als Auslagen in Rechnung gestellt werden.

Müssen Versicherte tatsächlich feststellen, dass eine Apotheke aktuell keinen Impfstoff in der verordneten Packungsgröße vorrätig hat, empfiehlt es sich, bei anderen am Ort ansässigen Apotheken nachzufragen oder sich auf die von den Apotheken geführten Wartelisten setzen zu lassen. Auch die behandelnden Ärzte können kontaktiert und um Unterstützung gebeten werden.

9. Oktober 2020

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