Hilfe für Ärzte bei lebenswichtigen Entscheidungen

© iStock: KatarzynaBialasiewicz

Ein gutes Gesundheitssystem zeichnet sich nicht nur durch eine ausreichende Zahl von Praxen und Krankenhäusern mit gut ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten sowie innovativen Behandlungsmethoden aus. Ein wichtiger Aspekt ist auch eine sichere Gesundheitsversorgung. Hierfür setzt sich das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) seit 15 Jahren durch die Erforschung, Entwicklung und Verbreitung geeigneter Methoden ein. Zu den Förderern des Aktionsbündnisses gehört auch der Verband der Privaten Krankenversicherung.

Zum siebten Mal vergab das APS nun den Deutschen Preis für Patientensicherheit. Neben drei Preisen für medizinische Projekte gab es einen Sonderpreis für die Informationsoffensive einer Klinik.

Alle vier Preisträger verbessern mit ihrer Arbeit nicht nur die Patientensicherheit in der eigenen Einrichtung. Vielmehr können ihre Projekte auch von anderen Kliniken und Praxen genutzt werden. So tragen sie in großem Umfang zu einer sicheren Versorgung bei. Mit den Preisen soll ihre Bekanntheit vergrößert werden, so dass sie noch mehr Patientinnen und Patienten zugutekommen können.

1. Preis für das Projekt „Arzneimittelinformation Palliativmedizin“

In der Palliativmedizin spielt die Arzneimitteltherapie eine große Rolle. Zugleich ist es von enormer Bedeutung, die jeweils passende Medikation zu wählen, um das Leiden der Patientin bzw. des Patienten so gut wie möglich zu verringern. Gerade dieser Anspruch gestaltet sich aufgrund der Datenlage und der verfügbaren Arzneimittel schwierig. Das Team um Dr. Constanze Rémi von der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des Klinikums der Universität München wurde nun für seinen Lösungsansatz mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit 2020 ausgezeichnet.

Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Pflegekräfte aus dem deutschsprachigen Raum können sich an die Münchener Klinik wenden und dort kostenfrei beraten lassen, welche Arzneimitteltherapie im konkreten Behandlungsfall die geeignete ist. Das Angebot gilt für die ambulante wie stationäre Hospiz- und Palliativversorgung. Es erhöht die Sicherheit und Qualität der Arzneimitteltherapie. Vor allem aber schafft es für alle den Zugang zu diesen wichtigen Informationen.

Die Preisträgerinnen des Deutschen Preises für Patientensicherheit

v.l.n.r.: Claudia Bausewein, Constanze Rémi, Alina Hermann, Stephanie Büsel
© Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin Klinikum der Universität München (05/2020)

Bekämpfung von Krankenhauskeimen und OP-Checkliste

Den zweiten Preis erhielt ein Team der Charité, das sich mit der zuverlässigen Desinfektion von Ultraschallsonden befasst hat. Ultraschallsonden werden routinemäßig eingesetzt und kommen dabei häufig in Kontakt mit geschädigter Haut und infektiösem Gewebe etc. Das Risiko ist groß, dass die Ultraschallsonden nicht fachgerecht aufbereitet werden und nachfolgende Patienten z. B. mit sogenannten Krankenhauskeimen angesteckt werden. Am Interdisziplinären Ultraschallzentrum der Charité hat man ein automatisiertes Verfahren für die Aufbereitung entwickelt, das in die Dokumentation im Krankenhausinformationssystem integriert werden kann.

Der dritte Preis ging dieses Jahr an das Projekt „Die Entwicklung einer nationalen elektronischen Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in Anästhesie (eGENA)“, an dem Fachärzte an verschiedenen Standorten beteiligt waren. Sie vergleichen ihre Gedächtnis- und Entscheidungshilfe mit den Checklisten für Piloten. Die eGENA kann im OP auf einem PC oder Tablet genutzt werden und in kritischen Situationen lebensrettende Entscheidungen unterstützen. Sie soll als App allen Anästhesiearbeitsplätzen in Deutschland kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Sonderpreis für Schlaganfallaufklärung via Musik-Clip

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Auch Menschen unter 50 Jahren können einen Schlaganfall erleiden. Da zudem die Symptome eines Schlaganfalls noch immer zu wenig bekannt sind, wird bei jüngeren Patienten oft erst sehr spät ärztliche Hilfe gerufen. Für diverse wichtige Behandlungsmöglichkeiten ist jedoch eine frühe Einleitung wichtig.

Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) hat deshalb zusammen mit dem Cartoonist Ralph Ruthe einen Musik-Clip erarbeitet, der in den Sozialen Netzwerken verbreitet wird – also in den Medien der jüngeren Generationen. Auf kurzweilige Art erfährt man hier, woran man einen Schlaganfall erkennen kann. Dieses Video wurde nun mit einem Sonderpreis des Deutschen Preises für Patientensicherheit ausgezeichnet.

Lächeln Sprechen Arme Hoch

Juni 2020

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