Engpass bei Krebsmedikament Tamoxifen

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In Deutschland gibt es aktuell einen großflächigen Lieferengpass beim Krebsmedikament Tamoxifen. Apotheken in ganz Deutschland haben seit Wochen Probleme, Arzneimittel mit diesem Wirkstoff über den Großhandel zu beziehen. Schon im Januar hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine eingeschränkte Verfügbarkeit für tamoxifenhaltige Arzneimittel festgestellt. Die anschließende Prüfung hat eine drohende kritische Versorgungssituation ergeben.

Welche Patientinnen sind vom Versorgungsmangel mit Tamoxifen betroffen?

Tamoxifen kommt vor allem bei Brustkrebspatientinnen mit einem östrogenabhängig wachsenden Tumor zum Einsatz. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Antiöstrogene. Er blockiert die Bindung von Östrogenen an die entsprechenden Andockstellen (Rezeptoren) der Krebszellen. Durch das fehlende Wachstumssignal kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung in östrogenabhängigem Gewebe und somit zu einer Hemmung des Wachstums der Tumorzellen. „Tamoxifen ist für Brustkrebsbetroffene mit einem hormonrezeptor-positiven Tumor ein fester Bestandteil der Therapie und wird meist über Jahre eingenommen“, erklärt Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer, Mitglied der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum der Charité.

Welche Alternative zu Tamoxifen gibt es für Ärzte und Patientinnen?

Der Lieferengpass betrifft aktuell vor allem die Dosierung von 20 mg-Tabletten. Je nach Verfügbarkeit können Ärzte auch kleinere Packungsgrößen, z. B. mit 30 Tabletten oder Arzneimittel mit einer geringeren Stärke (z. B. Einnahme von 2x10 mg-Tabletten) verordnen. „In einigen Fällen kann auch eine andere antihormonelle Therapie eingesetzt werden, allerdings können hier mehr Nebenwirkungen entstehen. In jedem Fall sollten die Patientinnen mit der behandelnden Onkologin oder dem behandelnden Onkologen Rücksprache halten“, rät Prof. Jens-Uwe Blohmer.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften mögliche Behandlungsalternativen veröffentlicht. Die Stellungnahme ist unter folgendem Link abrufbar: 02/2022_Stellungnahme der AG Gynäkologische Onkologie und weiterer Fachgesellschaften zum Lieferengpass Tamoxifen

Welche Maßnahmen sollen den Lieferengpass bei Tamoxifen beheben?

Der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 9. Februar ein ganzes Maßnahmenpaket zur Abmilderung der Lieferengpässe bei Tamoxifen beschlossen. Eine Maßnahme betrifft die offizielle Bekanntmachung des Versorgungsmangels durch das Bundesgesundheitsministerium. Sie ermöglicht den Import von tamoxifenhaltigen Arzneimitteln aus anderen Ländern. Außerdem sollen Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Monaten keine Rezepte für eine individuelle Bevorratung ausstellen. Vielmehr sollen Patientinnen und Patienten erst dann ein Folgerezept erhalten, wenn eine weitere Verordnung erforderlich ist. Das BfArM geht davon aus, dass etwa Ende April 2022 von der Herstellern zusätzliche neue Chargen zur Verfügung stehen werden.

Februar 2022

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