Corona-Tests bei Privatversicherten: Diese Regeln gelten

(c) istock: rclassenlayouts

In diesem Text erfahren Sie:
- wer einen Corona-Test durchführt,
- wie viel ein Corona-Test für Privatpatienten kostet, wenn ein niedergelassener Arzt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnet,

- wann Privatpatienten den Test selbst bezahlen müssen,
- wo Sie weitere Informationen über die Regeln für Urlaubsheimkehrer aus dem Ausland sowie die Corona-Testpflicht erhalten.

Ob Schulbesuch, Auslandsurlaub oder Familienfeiern: Die Corona-Pandemie erfordert zahlreiche Gebote und Regeln, die unseren Alltag gehörig durcheinanderwirbeln. Die Nationale Teststrategie der Bundesregierung soll dabei helfen, Normalität in unser Arbeits- und Privatleben zurückzubringen und die Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) einzudämmen. Doch die Vorgaben zur Durchführung der Corona-Tests sind gar nicht so leicht zu durchschauen, und bei den zwischenzeitlichen Änderungen ist es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Deshalb haben wir hier die wichtigsten Informationen für Privatversicherte anhand von fünf Szenarien zusammengestellt:

Szenario 1: Der Haus- oder Facharzt veranlasst einen Test aufgrund von Krankheitssymptomen

Verordnet Ihr Haus- oder Facharzt Ihnen einen Corona-Test, weil Sie für die Krankheit Covid-19 häufig auftretende Symptome zeigen, setzt bei Privatversicherten der Versicherungsfall ein: Für die Testung stellt Ihnen der behandelnde Arzt eine Rechnung, die Sie zur Kostenerstattung bei Ihrem Versicherer einreichen können. Den Corona-Test rechnet ein Arzt wie andere Behandlungen von Privatpatientinnen bzw. Selbstzahlern nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Ein Corona-Test nach dem Regelsatz kostet ca. 147 Euro für die Labordiagnostik und rund 27 Euro für die Abstrichentnahme. Eine Musterrechnung mit einer Übersicht der Leistungspositionen hat die Ärzte Zeitung erstellt.

Test auf das Coronavirus

Szenario 2: Die Corona-Warn-App meldet ein „erhöhtes Risiko“

Die Corona-Warn-App meldet Ihnen eine mögliche Risikobegegnung. In diesem Fall erhalten Sie den Hinweis, die Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder das Gesundheitsamt zu kontaktieren, um dort das weitere Vorgehen abzustimmen. Erfolgt auf Basis der Warnmeldung ein Corona-Test, hängt es von der Teststelle und -beauftragung ab, wie abgerechnet wird und wer bezahlt:

  • Der Test wird durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), z.B. von einem Gesundheitsamt, beauftragt oder durchgeführt. In diesem Fall handelt es sich um einen Test nach der „Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“ (Testverordnung). Die Kosten werden vom ÖGD übernommen und aus dem Gesundheitsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Nach dem Test erhalten Sie ein Formular mit einem QR-Code, mit dem Sie das Testergebnis über die Corona-Warn-App abrufen können.
  • Der Test wird in der Hausarztpraxis verordnet. In diesem Fall können Sie von einem Versicherungsfall der privaten Krankenversicherung ausgehen. Die Abrechnung der ärztlichen Leistungen sowie die Labordiagnostik erfolgen nach der GOÄ. Auch in der Hausarztpraxis erhalten Sie nach der Testverordnung ein Formular mit QR-Code, um das Testergebnis über die Corona-Warn-App abzurufen. Sollte die Hausarztpraxis das Formular ausnahmsweise nicht vorrätig haben, können Sie die für die Corona-App benötigte TAN auch über die hierfür eingerichtete Hotline erfragen: +49 8000 7540002.

Die Corona-Warn-App - Ein Erklärfilm


Szenario 3: Sie kehren von einer Auslandsreise zurück

  • Sie waren in einem Corona-Risikogebiet

Kehren Sie von einer Auslandsreise aus einem Risikogebiet zurück nach Deutschland, müssen Sie sich unverzüglich nach Ihrer Einreise auf direktem Weg in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben. Darüber hinaus sind Sie verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen einen Corona-Test machen zu lassen. Innerhalb von 10 Tagen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet ist dieser Test kostenlos. Das gilt für gesetzlich wie auch privat Versicherte.

Nach Möglichkeit sollten Sie sich direkt kostenlos am Flughafen oder an den Häfen testen lassen. Alternativ können Sie den Test bereits im Ausland auf eigene Kosten durchführen und bei der Einreise vorlegen. Das negative Testergebnis darf jedoch nicht älter als 48 Stunden sein. Darüber hinaus kann der Test nach telefonischer Ankündigung auch bei einem niedergelassenen Arzt erfolgen. Bei der ärztlichen Terminservicestelle unter der Telefonnummer 116 117 erfahren Sie, welche Praxen Tests durchführen. Weitere Informationen zur Testpflicht finden Sie auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

In zahlreichen Bundesländern können Sie bei einem negativen Testergebnis Ihre Selbstisolation vorzeitig beenden. Wenn Sie sich allerdings erst gegen Ende Ihrer Reise oder auf dem Heimweg anstecken, wird diese Infektion nicht durch einen frühzeitigen Test erfasst. Deshalb soll es voraussichtlich ab 1. Oktober eine neue Regelung geben: Erst ein Test ab dem 5. Tag nach Ihrer Rückkehr kann dann bei negativem Ergebnis die Quarantäne verkürzen.

Hinweis: Das Bundesgesundheitsministerium wird die Frage, wer die Kosten der Corona-Tests trägt, noch einmal prüfen. Zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) wird es Studien und Erkenntnisse zur Dauer der Quarantäne auswerten. Außerdem streben Bund und Länder eine Rechtsänderung an: Eine Entschädigung für den Einkommensausfall bei Quarantäne soll dann nicht mehr gewährt werden, wenn eine Reise vermeidbar gewesen wäre und das Ziel vorab als Risikogebiet ausgewiesen war. 

  • Sie waren in einem Nicht-Risikogebiet

Kehren Sie aus einem Nicht-Risikogebiet nach Deutschland zurück, konnten Sie sich bis zum 15. September binnen 72 Stunden nach der Einreise kostenfrei auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen: an einer der Teststationen am Flughafen oder Hafen oder auch beim örtlichen Gesundheitsamt bzw. beim niedergelassenen Arzt. Seit dem 15. September gibt es (mit Ausnahme von Bayern) keine kostenlose Testung von Reisenden mehr, die aus einem Nicht-Risikogebiet zurückkommen.

Test-Kosten: Wie rechnet der niedergelassene Arzt ab?

Unabhängig davon, ob Sie aus einem Risikogebiet zurückkehren oder nicht, erfolgt bei einem kostenlosen Test die Abrechnung des niedergelassenen Arztes über die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Diese Tests sollen über einen zusätzlichen Steuerzuschuss aus dem Gesundheitsfonds der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Für diesen Steuerzuschuss kommen privat Krankenversicherte ebenso auf wie gesetzlich Versicherte. Eine Rechnung an den Privatpatienten fällt nicht an. Sollte dies doch bereits erfolgt sein, muss die Rechnung entsprechend neu ausgewiesen werden. Bei einer Rückkehr aus einem Nicht-Risikogebiet gilt das bis zum 15. September (mit Ausnahme von Bayern). Danach greift Szenario 5.

Szenario 4: Der Arbeitgeber veranlasst eine Corona-Testung

Veranlasst Ihr Arbeitgeber aus Gründen des Arbeitsschutzes die Testung, so hat er auch für die Kosten aufzukommen. Es besteht für Ihre private Krankenversicherung keine Pflicht zur Kostenübernahme.

Szenario 5: Sie möchten freiwillig einen Corona-Test machen

Wenn Sie auf eigenen Wunsch vom Arzt einen Corona-Test durchführen lassen – etwa vor einer Reise oder ab 15. September nach Rückkehr aus einem Nicht-Risikogebiet – handelt es sich um eine Wunsch- oder Verlangensleistung im Sinne von § 1 Abs. 2 Satz 2 GOÄ. Dies ist kein Versicherungsfall der Privaten Krankenversicherung.

Eine Ausnahme gilt, wenn Sie in Bayern wohnen: Die Landesregierung hat zum 1. Juli 2020 beschlossen, dass sich alle Einwohner auf Kosten des Freistaats von Ärzten mit einer Kassenzulassung auf das Coronavirus testen lassen können. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, mit der das Bayerische Gesundheitsministerium Vereinbarungen zur Kostenübernahme und Abrechnung getroffen hat. Diese Regelung soll auch über den September hinaus fortbestehen.

16. September 2020
  • print
  • Mail