Beitragserhöhungen 2022: Rund ein Viertel der Privatversicherten ist davon betroffen

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Sie haben es sicherlich schon in der Zeitung oder im Internet gelesen. Vielleicht haben Sie auch schon einen Brief von Ihrem Versicherungsunternehmen bekommen: Auch 2022 gibt es in der Privaten Krankenversicherung (PKV) Beitragsanpassungen. Die Ausgaben für das deutsche Gesundheitssystem sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und das wirkt sich auch auf einige Tarife der PKV aus. Betroffen ist davon etwa ein Viertel der Privatversicherten. Im Schnitt steigen ihre Beiträge im kommenden Jahr laut einer Schätzung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) um 4,1 Prozent.

Ein Vergleich mit den Beträgen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeigt indes, dass sich der Beitrag für die Versicherten der PKV in den letzten zehn Jahren moderater entwickelt hat: Für die Jahre 2012 bis 2022 ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Prämien- bzw. Beitragsbelastung von 2,6 Prozent in der PKV und 3,3 Prozent in der GKV -> siehe auch Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vergleich mit der GKV zeigt auch, dass die Entwicklung der Beiträge in der PKV sprunghafter verläuft. Die PKV würde für die Versicherten gerne eine stetigere Beitragsentwicklung erreichen. Das wird jedoch durch die gesetzlichen Vorgaben zu einer nachholenden Anpassung erst nach Überschreitung der sogenannten Schwellenwerte unmöglich gemacht. Der PKV-Verband hat deshalb frühzeitig den Gesetzgeber aufgefordert, die Kalkulationsvorschriften zu reformieren. Auch Verbraucherschützer unterstützen eine solche Reform, doch leider hat der Gesetzgeber dies bisher nicht aufgegriffen.

Warum also steigen die Beiträge?

Weil die Kosten des medizinischen Fortschritts in Deutschland gleichwohl stetig steigen, müssen die Veränderungen der Vorjahre zwangsläufig in die Beiträge einkalkuliert werden, sobald der Schwellenwert überschritten wird. Eine Beitragsanpassung darf in der Privaten Krankenversicherung nur erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um einen bestimmten Prozentsatz höher liegen als ursprünglich kalkuliert. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Prozentsatz von maximal 10 Prozent. In manchen Tarifen ist vertraglich ein niedrigerer Schwellenwert vereinbart. Ob eine entsprechende Abweichung vorliegt, kontrolliert ein unabhängiger Treuhänder.

Diese aufholende oder sprunghafte Anpassung der Beiträge an die tatsächliche Kostenentwicklung entsteht also, weil die allgemeine Teuerung der Medizin den Versicherten nachträglich „auf einen Schlag“ in Rechnung gestellt wird, nachdem die Beiträge zuvor oft mehrere Jahre unverändert geblieben sind. Und je länger solche Phasen ohne Beitragserhöhungen andauern, desto heftiger wirkt natürlich die spätere Anpassung - auch wenn sich in der mehrjährigen Betrachtung ein deutlich niedrigerer Anstieg ergibt, wie die Untersuchung des WIP belegt.

Ein großer Teil der Beitragserhöhung geht in die PKV-typische Vorsorge für die absehbar höheren Gesundheitskosten im Alter. Dieses Geld kommt den Versicherten später selbst wieder zugute. Sie zahlen also für ihre eigene Zukunft. Diese besondere finanzielle Vorsorge der PKV wird allerdings durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank seit einigen Jahren stark belastet. Denn die Zinserträge der PKV-Kapitalanlagen steuern einen großen Teil der Vorsorge bei. Was infolge sinkender Zinsen an Erträgen fehlt, muss durch höhere Beitragszahlungen ausgeglichen werden. So ist es gesetzlich vorgeschrieben, damit die wachsenden Ausgaben zur medizinischen Versorgung im Alter in vollem Umfang abgesichert sind. Auch im Jahr 2022 sind PKV-Tarife davon betroffen.

Umfassende Hintergrundinformationen zu Beitragsanpassungen in der PKV finden Sie auch auf unserer PKV-Themenseite.

Aber selbst in der Niedrigzinsphase haben Sie in der PKV einen exzellenten Schutz zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. In Deutschland ist heute der persönliche Leistungsanspruch im Ernstfall so umfassend wie niemals zuvor und die Diagnose- und Behandlungsmethoden haben sich enorm verbessert. Diese allgemeine Entwicklung spürt natürlich auch jeder Einzelne: Prozentual gibt jeder Bundesbürger immer mehr von seinem verfügbaren Einkommen für die Gesundheit aus – aber er bekommt dafür auch eine immer bessere Versorgung.

Stand: November 2021
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