Beitragsanpassung in der Pflegepflichtversicherung für Beamte

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Zum 1. Juli 2021 werden die Beiträge in der Privaten Pflegepflichtversicherung für Beamtinnen und Beamte angehoben. Die wesentlichen Gründe dafür sind die starken Leistungsausweitungen in der Pflegeversicherung durch mehrere Reformen und die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre. 

10 bis 15 Euro mehr im Monat 

Die Beitragserhöhungen in der Pflegeversicherung für Beihilfeberechtigte (PVB) betragen zwischen 10 und 15 Euro pro Monat. Gleichzeitig gibt es jedoch einen garantierten Höchstbeitrag für alle, die mindestens fünf Jahre in der Pflegeversicherung sind. Für Beamtinnen und Beamte beträgt er in diesem Jahr 59,02 Euro.

Zudem sind Beamte auch nach der Beitragserhöhung in der Privaten Pflegeversicherung in der Regel immer noch günstiger versichert als gesetzlich versicherte Beamte. Denn auch die Beiträge in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) sind infolge der Reformen gestiegen. So zahlt ein gesetzlich versicherter Angestellter mit einem Durchschnittseinkommen (3.462 Euro Monatsbrutto) in der SPV derzeit 106 Euro, für Kinderlose sind es 114 Euro. Zieht man den Arbeitgeberanteil ab, sind 53 bis 57 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig. Versicherte mit Einkünften an der Bemessungsgrenze (4.858 Euro Monatsbrutto) zahlen derzeit 148 bis 160 Euro pro Monat, nach Abzug eines Arbeitgeberanteils also 74 bis 80 Euro.

Mehr Leistungen für bessere Pflegeversorgung

Ein wesentlicher Grund für die steigenden Beiträge in beiden Versicherungssystemen ist die starke Ausweitung der Leistungen durch mehrere Pflegereformen. Das sind zum Beispiel:

  • Erhöhung der monatlichen Leistungen im Pflegefall
  • Verstärkung des Personals in den Pflegeeinrichtungen
  • Anhebung der Zuschüsse zum pflegegerechten Umbau von Wohnungen
  • bessere und mehr Angebote zur Unterstützung im Alltag
  • Ausweitung der Pflegeberatung.

Dadurch gibt es nicht nur bei Pflegebedürftigkeit höhere Leistungen, auch der Kreis der Leistungsberechtigten wurde deutlich erweitert – insbesondere um eine bessere Versorgung von Personen mit Demenz zu ermöglichen. Das sind wichtige sozialpolitische Verbesserungen, die die Pflegeversicherung deutlich werthaltiger machen. Allerdings führt die bessere Versorgung auch zu deutlich höheren Kosten und damit zu steigenden Beiträgen für alle Pflegeversicherten.

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist gestiegen

Die Zahl der Leistungsempfänger in der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) ist seit den Pflegereformen von rund 169.000 (2014) auf fast 275.000 (2020) gestiegen, also um über 60 Prozent. Parallel stiegen die Leistungen der PPV von rund 790 Millionen auf 1,48 Milliarden Euro im Jahr, also um fast 90 Prozent. Daraus ergibt sich ein hoher Finanzierungsbedarf. 

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank

Neben den gestiegenen Leistungsausgaben hat auch die Höhe der Zinseinnahmen wesentlichen Einfluss auf den Beitrag in der PPV. So konnte viele Jahre lang die Verzinsung der Kapitalvorsorge in der PPV mit 3,5 Prozent kalkuliert werden. Diesen Zins – und meistens noch deutlich mehr – hatte die PPV auch stets für ihre Kunden erwirtschaftet. Doch seit 2015 wurde der Leitzins der Europäischen Zentralbank stetig reduziert und inzwischen sogar auf null gesenkt. Dadurch sinkt zwangsläufig auch die Verzinsung der PPV-Kapitalanlagen. 

Der abgesenkte Rechnungszins ist allerdings mit dem neuen Beitrag bis ans Lebensende einkalkuliert. Bleibt dieser niedrige Zins konstant, ist dafür also in der Zukunft keine weitere Beitragsanpassung erforderlich.

PKV erklärt: Beitragserhöhung für Beamte in der Pflegeversicherung 2021

 

Mai 2021

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