Wie beteiligt sich die Private Krankenversicherung an den Kosten der Corona-Pandemie?

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Die Corona-Pandemie hat das deutsche Gesundheitssystem vor eine außergewöhnliche Härteprüfung gestellt. In kürzester Zeit mussten Arztpraxen, medizinische Labore und Krankenhäuser auf die rasche Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) und schnell steigende Infektionszahlen reagieren. Die Behandlung von Covid-19-Patienten ist eine Herausforderung, weil die Erkrankung einen schweren, zum Teil auch lebensgefährlichen Verlauf nehmen kann. Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegekräfte müssen sowohl ihre Patienten als auch sich selbst vor der hohen Ansteckungsgefahr des Erregers schützen.

Im internationalen Vergleich hat das deutsche Gesundheitssystem diese Prüfung bis heute erfolgreich bestanden. Erste Studien zeigen, dass andere Länder deutlich höhere Infektionszahlen und Todesfälle aufweisen. Die Experten des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) sehen die Gründe in einem leistungsstarken Netz aus Haus- und Fachärzten, der hohen Zahl an Betten und Intensivbetten in Krankenhäusern sowie qualitativ hochwertigen und umfangreichen Laborkapazitäten zur Durchführung von Corona-Tests.

Deutschland profitiert von einem finanziell gut ausgestatteten Krankenversicherungssystem

Die gute Gesundheitsversorgung in der Corona-Pandemie ist möglich, weil Deutschland über gut ausgebildete Gesundheitsfachkräfte und ein finanziell sehr gut ausgestattetes „duales System“ aus gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und Privater Krankenversicherung PKV) verfügt. Der Verlauf der Pandemie widerlegt den Vorwurf, das deutsche Gesundheitssystem sei in den vergangenen Jahren kaputt gespart worden, sagte PKV-Geschäftsführer Timm Genett zu den Studienergebnissen des WIP. Dabei hängen viele Voraussetzungen für die sehr gute Bewältigung der Pandemie unmittelbar von Leistungen der Privaten Krankenversicherung und ihren Versicherten ab:

  • Die hohen Testkapazitäten der medizinischen Labore und ihre moderne Ausstattung werden überproportional durch die höhere Vergütung von Privatpatienten ermöglicht.
  • Ohne die PKV gäbe es keine ausreichende Zahl von Einbettzimmern, die zur Isolierung von Corona-Infizierten genutzt wurden. Nur die PKV-Wahlleistungen machen für die Kliniken die Einrichtung von Einbett- und Zweibettzimmern wirtschaftlich finanzierbar.
  • Patientinnen und Patienten haben in der Corona-Pandemie die Vorzüge von Video-Sprechstunden zu schätzen gelernt. Dabei profitieren sie von der Innovationsoffenheit der privaten Krankenversicherer. Schon seit 2015 unterstützt die PKV die sogenannten telemedizinischen Behandlungen ihrer Versicherten und sichert so die Gründungsphasen von Anbietern der Online-Sprechstunden. 
  • Im internationalen Vergleich einmalig ist in Deutschland das breite Netz an Facharztpraxen. Viele, vor allem jüngere Covid-19-Erkrankte konnten von niedergelassenen Ärzten behandelt werden. So wurden die Kapazitäten der Krankenhäuser geschont und die Ausbreitung des Virus in den Kliniken verringert. Möglich ist das auch durch den PKV-typischen Mehrumsatz, der den Arztpraxen zu Gute kommt, weil sie bei Privatversicherten für vergleichbare Leistungen eine höhere Vergütung als von Kassenpatienten erhalten.

Privatversicherte tragen 1 Milliarde Euro zur Bewältigung der Corona-Pandemie bei

Neben diesen dauerhaften Leistungen schultert die PKV beträchtliche zusätzliche Beiträge in der Corona-Krise. Das ist notwendig, weil die Umstellung der Gesundheitsversorgung auf die Ausbreitung des Coronavirus hohe Zusatzkosten unter anderem für Hygienemaßnahmen und Testkapazitäten verursacht. Nach aktuellen Prognosen steuern Privatversicherte, Versicherer und die Beihilfe insgesamt etwa 1 Milliarde Euro zur Bewältigung der Corona-Pandemie bei:

  • Alleine der PKV-Anteil an den Rettungsschirmen für Krankenhäuser beträgt inzwischen mehr als 300 Millionen Euro. Darunter fallen zum Beispiel Zusatzentgelte für Testungen auf Corona-Infektion in Krankenhäusern oder auch höhere Kosten für pflegerische Leistungen.
  • An den Schutzschirmen für die Pflegeeinrichtungen ist die PKV entsprechend ihrem Versichertenanteil voll beteiligt. Pflegeeinrichtungen erhalten diese Finanzhilfen für außerordentliche Aufwendungen sowie Mindereinnahmen. Das sind in Summe nochmals über 60 Millionen Euro.
  • In der ambulanten Versorgung unterstützten Privatversicherte die Ärzte und Zahnärzte aktuell mit einem zusätzlichen Betrag von insgesamt deutlich über 300 Millionen Euro allein für Hygienemaßnahmen. Die sogenannten Hygienepauschalen betragen bei Ärzten 14,75 Euro und bei Zahnärzten 14,23 Euro für jeden unmittelbaren Arzt-Patientenkontakt. Beide Corona-Sondervergütungen wurden erst kürzlich bis zum 30. September 2020 verlängert.

Juli 2020

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