Was leistet die Darmkrebsfrüherkennung?

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Die Darmspiegelung kann eine Krebserkrankung verhindern. Dr. Dagmar Mainz, im Vorstand des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (Bild © privat), empfiehlt die Untersuchung vor allem für Menschen ab 50. Sie ist auch in der Pandemie ohne größeres Risiko.

Frau Dr. Mainz, vernachlässigen die Deutschen seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Darmkrebsvorsorge?

Ja, das ist eindeutig nachgewiesen. Im März 2020 hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung über 40 Prozent weniger Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchungen registriert. Dieser massive Einbruch ist auch deshalb besonders zu beklagen, weil erst kurz vorher ein Einladungsverfahren für gesetzlich Krankenversicherte eingeführt wurde: Menschen ab 50 werden seitdem von ihren Krankenkassen angeschrieben und über die ihnen zustehenden Maßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs informiert. Diesen Anspruch haben viele Versicherte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie genutzt.

Was kann die Darmkrebsfrüherkennung leisten?

Eine Darmspiegelung kann vermeiden, dass Darmkrebs überhaupt entsteht. Werden während der Untersuchung gutartige Neubildungen, die als Tumorvorstufe gelten, entdeckt, können sie direkt entfernt werden. Je nach Art und Anzahl sowie weiterer Risikofaktoren für Darmkrebs steht eine Kontrolluntersuchung meist nach drei bis fünf Jahren an. Auf diese Weise haben wir in den ersten zehn Jahren der Früherkennung bereits rund 180.000 Darmkrebserkrankungen verhindert.

Und wenn Sie in der Früherkennung bereits eine Krebserkrankung feststellen?

Wenn er früh erkannt wird, ist Darmkrebs in der Regel durch Operationen sehr gut heilbar. Jedes Jahr erkranken knapp 60.000 Menschen an Darmkrebs – rund 40.000 Fälle erkennen wir durch die Darmspiegelung in einem frühen Stadium. Diesen Menschen bleiben belastende Therapien oder sogar tödliche Verläufe erspart.

Welche Anzeichen einer möglichen Darmerkrankung sollten Menschen auf jeden Fall abklären?

Grundsätzlich machen viele Darmerkrankungen zunächst keine Probleme – daher empfiehlt sich auf jeden Fall eine Früherkennungsuntersuchung ab 50 Jahren. Wenn Verwandte ersten Grades bereits in jüngeren Jahren Darmkrebs haben oder hatten, wird noch früher untersucht. Alarmzeichen für Erkrankungen sind häufigere Blutbeimengungen im Stuhl, eine ungewollte Gewichtsabnahme, anhaltende oder wiederkehrende Bauchschmerzen, Stuhlgangsveränderungen oder auch eine Blutarmut. Dann sollten Betroffene schnell einen Termin beim Facharzt vereinbaren.

Welches Risiko gehen Patienten ein, die ihre Vorsorgen über einen längeren Zeitraum vernachlässigen?

Werden Darmpolypen in einem frühen Stadium erkannt, können sie mit einem kleinen Eingriff und sehr geringem Risiko entfernt werden. Selbst wenn man einen kleinen oder auf die Darmwand begrenzten Darmkrebs findet, ist er fast immer durch Operation heilbar. Die Lebenserwartung ist dadurch nicht eingeschränkt. Wird bereits ein fortgeschrittener Dickdarmkrebs diagnostiziert, ist die Behandlung weitaus aufwendiger und belastender: In der Regel muss der Patient dann mit einer Chemotherapie, eventuell auch Bestrahlung behandelt werden. Eine heilende Operation ist oft nicht mehr möglich.

Wie hoch beurteilen Sie das Infektionsrisiko in der Praxis?

In den gastroenterologischen Fachpraxen gibt es ohnehin hohe Hygienestandards. Seit dem Frühjahr 2020 fahren die meisten wieder einen Regelbetrieb unter Beachtung spezieller Hygienekonzepte: Ärzte sowie Assistentinnen und Assistenten tragen immer einen Vollschutz, optional mit Kittel, FFP-2- oder FFP-3-Maske, Brille oder Visier. Auch Patienten können ihren Mund-Nasen-Schutz zum Beispiel bei einer Darmspiegelung tragen. Das Ansteckungsrisiko ist daher sehr gering; mir ist kein einziger Fall bekannt.

Februar 2021

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