Privatversicherte Kinder: Wie geht es nach einer Scheidung weiter?

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Bei einer Trennung und nachfolgender Scheidung müssen Paare vieles bedenken und besprechen. Dazu kann auch die Frage gehören, ob und wie die private Krankenversicherung (PKV) der Kinder weitergeführt wird. Aber welche Regelungen gibt es überhaupt?

Situation 1: Kinder von Arbeitnehmern und Selbstständigen

Sind beide Eltern privat krankenversichert,
kann der private Krankenversicherungsschutz der Kinder unverändert fortgeführt werden. Trennung, Scheidung und Sorgerecht sind hier ohne Bedeutung. Zahlt ein Elternteil Unterhalt für die Kinder, muss er sich an den Kosten für die PKV beteiligen.

Der Arbeitgeber des hauptversicherten Elternteils zahlt weiterhin einen Zuschuss zum PKV-Beitrag der mitversicherten Kinder, sofern die sonstigen Voraussetzungen für den Zuschuss erfüllt sind.

Wenn der Elternteil, über den die Kinder privat versichert sind, die Krankenversicherung der Kinder kündigt (z. B. zusammen mit seiner eigenen Versicherung wegen Umzugs ins Ausland), muss für die Kinder die Fortführung des privaten Versicherungsschutzes beantragt oder alternativ eine neue private Krankenversicherung abgeschlossen werden. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist für Kinder grundsätzlich nicht möglich, solange kein Elternteil GKV-Mitglied ist.

Ist ein Elternteil gesetzlich versichert
oder wechselt im zeitlichen Zusammenhang mit der Trennung in die gesetzliche Krankenversicherung, haben die Eltern die Wahl:

a) Die Kinder bleiben weiter über ihren privatversicherten Elternteil versichert. Dieser kann ggf. einen Arbeitgeberzuschuss zum PKV-Beitrag der Kinder erhalten. Ist der andere Elternteil unterhaltspflichtig, hat er sich an den Kosten für die Versicherung zu beteiligen.

b) Die Kinder wechseln (mit) in die gesetzliche Krankenversicherung, ihre private Krankenversicherung wird gekündigt. Spätestens wenn die Eltern rechtskräftig geschieden sind, ist eine beitragsfreie Familienversicherung der Kinder in der GKV möglich. Das gilt unabhängig vom Einkommen der Eltern. (Weitere Informationen zur grundsätzlichen Regelung)

Situation 2: Kinder von Beamten (Beihilfeempfängern)

Komplizierter kann die Frage der Krankenversicherung sein, wenn mindestens ein Elternteil beihilfeberechtigt ist und die Kinder über ihn eine beihilfekonforme private Krankenversicherung haben. Hier ist entscheidend, welcher Elternteil nach der Scheidung das Kindergeld erhält.

Hintergrund: Beamte erhalten üblicherweise von ihrem Dienstherrn eine Beihilfe zu den Krankheitskosten ihrer Kinder, wenn diese im Familienzuschlag berücksichtigt sind. Der Familienzuschlag ist an das Kindergeld gebunden. (Die Beihilfeverordnungen der Länder können prinzipiell hiervon abweichende Regelungen vorsehen.) Nur wer Kindergeld bezieht, erhält also auch Beihilfe für sein Kind. Nach einer Scheidung wird das Kindergeld an denjenigen Elternteil ausgezahlt, bei dem das Kind überwiegend lebt. Lebt es in beiden Haushalten ungefähr im gleichen Umfang, entscheidet das Familiengericht darüber, welcher Elternteil das Kindergeld bezieht.

Sind und bleiben beide Eltern privat krankenversichert,

werden auch die Kinder nach der Scheidung in jedem Fall weiterhin privat versichert. Zudem gilt:

  • Sind die Kinder bisher in einem Beihilfe-Tarif versichert und bezieht ein beihilfeberechtigter Elternteil das Kindergeld, kann der private Versicherungsvertrag unverändert fortgeführt werden.
  • Sind die Kinder bisher in einem Beihilfe-Tarif versichert und bezieht der nicht-beihilfeberechtigte Elternteil das Kindergeld, entfällt die Beihilfe und ihr Versicherungsschutz muss von i.d.R. 20 Prozent auf 100 Prozent aufgestockt werden.
    Wichtig: Wird gegenüber dem Versicherungsunternehmen innerhalb von sechs Monaten nach Wegfall der Beihilfe ein entsprechender Antrag auf Aufstockung gestellt, erfolgt keine Gesundheitsprüfung (und damit kein Risikozuschlag) und es gibt keine Wartezeiten.
    Wenn der nicht-beihilfeberechtigte Elternteil abhängig beschäftigt ist und die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, erhält er zum PKV-Beitrag seiner Kinder einen Arbeitgeberzuschuss.
  • Sind die Kinder bisher nicht in einem Beihilfe-Tarif versichert, können sie ihren bisherigen Versicherungsschutz beibehalten. Ebenso können sie in einen Beihilfe-Tarif wechseln, sofern das Kindergeld an den beihilfeberechtigten Elternteil ausgezahlt wird.

Der jeweils andere Elternteil muss sich ggf. im Rahmen von Unterhaltszahlungen an den Kosten für die private Krankenversicherung beteiligen.

Ist der nicht-beihilfeberechtigte Elternteil gesetzlich versichert
oder wechselt im zeitlichen Zusammenhang mit der Trennung in die gesetzliche Krankenversicherung, gilt:

  • Bezieht der beihilfeberechtigte Elternteil das Kindergeld, kann der private Versicherungsvertrag unverändert fortgeführt werden. Alternativ können die Kinder in die beitragsfreie Familienversicherung ihres gesetzlich versicherten Elternteils wechseln.
  • Bezieht der nicht-beihilfeberechtigte Elternteil das Kindergeld, entfällt die Beihilfe. Für die Kinder kann eine Aufstockung des Versicherungsschutzes von i.d.R. 20 auf 100 Prozent beantragt werden.
    Wichtig: Wird gegenüber dem Versicherungsunternehmen innerhalb von sechs Monaten nach Wegfall der Beihilfe ein entsprechender Antrag auf Aufstockung gestellt, erfolgt keine Gesundheitsprüfung (und damit kein Risikozuschlag) und es gibt keine Wartezeiten.
    Alternativ können die Kinder in die beitragsfreie Familienversicherung ihres gesetzlich versicherten Elternteils wechseln.

Der jeweils andere Elternteil muss sich ggf. im Rahmen von Unterhaltszahlungen an den Kosten für die private Krankenversicherung beteiligen.

September 2019

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