Private Pflegeversicherung: Warum steigen die Beiträge zum 1.1.2020?

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Mit den letzten Pflegereformen hat die Bundesregierung die finanzielle Unterstützung für Pflegebedürftige deutlich erhöht. So stieg beispielsweise der Höchstbetrag des Pflegegeldes bei ambulanter Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche von 700 Euro (2014) auf 901 Euro monatlich. Zudem wurde die Pflegebedürftigkeit neu definiert, um den Zugang demenzkranker Menschen zu Pflegeleistungen zu erleichtern.

Diese starke Ausweitung der Versicherungsleistungen durch die gesetzlichen Reformen führt zu Mehrkosten, wobei die Versicherten in der Sozialen und der Privaten Pflegeversicherung unter dem Strich ungefähr den gleichen Aufpreis dafür zahlen. Dabei werden die Privatversicherten feststellen, dass sie im Vergleich zur Sozialen Pflegeversicherung auch nach der Erhöhung immer noch zu sehr günstigen Konditionen versichert sind.

Kosten für Pflegereformen sehr viel höher als erwartet

Wegen dieser Ausweitung der Leistungen und des Kreises der Anspruchsberechtigten waren Kostensteigerungen in der Pflege zu erwarten. Die Private Pflegepflichtversicherung erhielt deshalb vom Gesetzgeber die Erlaubnis zu einer begrenzten Sonderanpassung. Ausnahmsweise durften die Versicherer die Beiträge erhöhen, ohne dass die Mehrausgaben schon erfolgt waren.

Allerdings waren die finanziellen Folgen der Reformen deutlich stärker als prognostiziert. Dies berichtete im November auch die Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 19/6183). Mitte 2015 war das Bundesgesundheitsministerium davon ausgegangen, dass es mittelfristig bis zu 500.000 Leistungsempfänger zusätzlich geben könne. Tatsächlich erhöhte sich die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt bereits innerhalb von zwei Jahren um 1 Million. In der Privaten Pflegepflichtversicherung gibt es heute über 25 Prozent mehr Leistungsempfänger als 2016. Die Beitragserhöhung im Rahmen der begrenzten Sonderanpassung reichte deshalb nicht aus.

Wie funktioniert eine Beitragserhöhung in der Privaten Pflegepflichtversicherung?

Für die Private Pflegeversicherung müssen regelmäßig die kalkulierten mit den tatsächlich erforderlichen Leistungen abgeglichen werden. Ergibt sich eine Abweichung von mindestens fünf Prozent, die absehbar von Dauer sein wird, müssen die Versicherer die Beiträge anpassen. Die privaten Versicherer können also – abgesehen von dem oben genannten einmaligen Sonderanpassungsrecht – anders als die gesetzlichen Kassen die Beiträge nicht vorsorglich erhöhen, sondern dürfen erst nachträglich auf reale Kostenentwicklungen reagieren. Folglich sehen die Privatversicherten die Leistungserhöhungen erst zeitverzögert in ihren Beiträgen abgebildet.

Bei einer Beitragserhöhung müssen in der Kalkulation zudem sämtliche kostenrelevante Aspekte mitberücksichtigt werden. Dazu gehört neben den gesteigerten Versicherungsleistungen auch der sogenannte Rechnungszins. Die Höhe der Zinseinnahmen hat wesentlichen Einfluss auf den Beitrag. Denn die Private Pflegeversicherung bildet für die im höheren Alter absehbar steigenden Pflegekosten eine kapitalgedeckte Vorsorge mit Zins und Zinseszins.

Wie nachhaltig dieses System funktioniert, lässt sich auch daran erkennen, dass es z.B. in den Beamtentarifen der Privaten Pflegepflichtversicherung in den letzten 20 Jahren überwiegend Beitragssenkungen gegeben hat. Doch jetzt wirken sich die Folgen der europäischen Niedrigzinspolitik spürbar auf die Beiträge der Pflege-Vorsorge aus. Um die Pflegeleistungen auch für die Zukunft solide abzusichern, muss der gegenwärtige Niedrigzins berücksichtigt werden. Was aus dem Zinsertrag nicht erwirtschaftet werden kann, muss durch eine Erhöhung der Vorsorge ausgeglichen werden, also durch höhere Beiträge.

In den Beamtentarifen fallen die Beitragserhöhungen deshalb 2020 stärker aus, denn dort gab es seit 5 Jahren keine Beitragsanpassung. Dadurch durfte der Niedrigzins bisher noch nicht bei den Beiträgen einkalkuliert werden. Infolge dessen ist die jetzt fällige Beitragserhöhung zwangsläufig größer, als es bei einer alljährlichen kleinen Anpassung an die reale Kostenentwicklung der Fall wäre.

Die finanziellen Auswirkungen der Pflegereformen konnten in der Privaten Pflegeversicherung also durch die gesetzlichen Vorschriften für ihre Kalkulation nicht zeitnah aufgefangen werden. Dadurch erfolgt 2020 eine weitere Beitragserhöhung, obwohl es keine neuen Leistungsausweitungen gibt.

Ein Blick über den Tellerrand

Betrachtet man die Beitragsentwicklung in der Sozialen und der Privaten Pflegeversicherung stellt man fest: In beiden Systemen müssen die Versicherten ungefähr den gleichen Aufpreis zahlen – verursacht durch dieselben Reformen mit ihrer starken Ausweitung der Versicherungsleistungen. Allerdings konnte die Soziale Pflegeversicherung ihre Beitragssätze zwei Mal im Voraus erhöhen. Zudem steigen die Beiträge für viele Mitglieder regelmäßig unbemerkt: mit jeder Gehaltserhöhung bzw. mit jeder Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze.

In der Privaten Pflegeversicherung ist der Durchschnittsbeitrag von etwa 27 Euro (2014, vor den Pflegereformen) auf ca. 74 Euro im Monat (ab 2020) gestiegen. Das sind 47 Euro mehr infolge der Reformen. Im selben Zeitraum hat sich der Beitrag eines Durchschnittsverdieners in der Sozialen Pflegeversicherung von 66 Euro auf 110 Euro im Monat erhöht. Das ist ein Mehrbeitrag von 44 Euro. Privatversicherte Arbeitnehmer müssten in der Sozialen Pflegeversicherung den Höchstbeitrag zahlen. Dieser liegt 2020 bei 143 Euro bzw. 155 Euro für kinderlose Mitglieder.

Ausführlichere Informationen zur Beitragserhöhung 2020 in der Privaten Pflegeversicherung erhalten Sie hier.

Dezember 2019

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