Pflegeversicherung: Warum steigen 2019 die Beiträge so stark?

Zum Jahreswechsel 2019 steigen die Beiträge in der Pflegeversicherung besonders stark. Beitragserhöhungen von 20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Das gilt für die Private (PPV) wie die Gesetzliche Pflegeversicherung (SPV) gleichermaßen. Für die ungewöhnlich hohen Beitragsanpassungen gibt es mehrere Ursachen, die wir Ihnen nachfolgend erläutern:

1. Zusätzliches Pflegepersonal in Heimen für eine bessere Versorgung

Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) verbessert der Gesetzgeber ab 2019 die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte. Unter anderem sind 13.000 neue Pflegekräfte für die Pflegeheime eingeplant. Die Kosten für die neuen Stellen übernehmen die Gesetzliche und die Private Pflegeversicherung. Deshalb erhöht sich zum 1. Januar 2019 der Beitragssatz der SPV um fast 20 Prozent auf 3,05 Prozent bzw. 3,3 Prozent für kinderlose Versicherte.

Für die Private Pflegeversicherung hat der Gesetzgeber ein „Sonderanpassungsrecht“ eingeräumt. Das bedeutet: Die privaten Pflegeversicherer können die zu erwartenden Mehrkosten für die Pflegekräfte bereits vorab mit in die Beiträge einkalkulieren und deshalb die Beiträge außerordentlich erhöhen.

2. Mehr Leistungen führen zu höheren Kosten

Schon 2017 hat die Bundesregierung die Leistungen der Pflegeversicherung verbessert. Seither gibt es mehr Versicherungsleistungen für mehr Pflegebedürftige. So ist beispielsweise in Hessen die Zahl der Pflegefälle in den vergangenen zwei Jahren um 17 Prozent gestiegen. Damals gab es ebenfalls ein Sonderanpassungsrecht für die Private Pflegeversicherung. Allerdings waren die Leistungsänderungen sehr umfassend – schon allein durch die Umstellung von vier Pflegestufen auf fünf Pflegegrade der Pflegebedürftigkeit. Deshalb war es sehr schwierig, die zusätzlichen Kosten zu schätzen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Beobachtung der Kostenentwicklung hat nun gezeigt, dass eine weitere – reguläre – Beitragserhöhung notwendig ist, um die Mehrkosten zu finanzieren.

3. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbank senkt die Zinserträge

Die Private Pflegeversicherung trifft Vorsorge für ihre Versicherten, indem sie einen großen Anteil der Beiträge am Kapitalmarkt anlegt. Die sogenannten Alterungsrückstellungen und ihre Zinserträge kommen den Versicherten im Alter zugute. Hier können Sie sich weiter über Alterungsrückstellungen informieren.

Durch die aktuelle Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank sind die Zinserträge auf Kapitalanlagen in den letzten Jahren gesunken. Das betrifft nicht nur die PPV, sondern alle verzinslichen Vorsorgeprodukte (Lebensversicherung, Tagesgeldkonto etc.). Um die fehlenden Erträge auszugleichen, müssen die Versicherer mehr Geld anlegen. Anders könnten sie die Zusagen für die Zukunft nicht sicher erfüllen. Deshalb ist in die gegenwärtige Beitragserhöhung die Zinsentwicklung von vier Jahren mit eingeflossen.

Die Pflegeversicherungen im Beitragsvergleich

Aktuell erreichen uns viele Anfragen von Versicherten, die sich wundern, warum ihr Beitrag um 20 oder sogar 30 Prozent steigt, während Medien über eine Anhebung des Beitragssatzes in der Sozialen Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte berichten.

Der Vergleich der prozentualen Beitragserhöhungen in SPV und PPV führt jedoch in die Irre. Die Finanzierungssysteme der Sozialen und der Privaten Pflegeversicherung sind grundverschieden. In der SPV ist das Einkommen des Versicherten Grundlage für den Beitrag, in der PPV sein Risiko, pflegebedürftig zu werden. Zudem sorgt die PPV noch für spätere Jahre vor – was bei der jeder Beitragserhöhung zu berücksichtigen ist.

Die folgende Tabelle ermöglicht eine bessere Einschätzung, wie die Beitragserhöhung in der Sozialen Pflegeversicherung aussieht:

Die Beitragssatzerhöhung in der SPV wird ergänzt durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (2019: 4.537,50 Euro/Monat). Diese steigt übrigens jedes Jahr. Dadurch erfahren alle Versicherten, die über dieser Grenze verdienen, jährlich eine versteckte Beitragserhöhung. Ab Januar 2019 müssen diese Frauen und Männer monatlich über 25 Euro mehr zahlen und damit insgesamt 138 Euro bzw. Kinderlose 149 Euro.

Die folgende Grafik zeigt die Beitragsentwicklung in der Sozialen und der Privaten Pflegeversicherung seit ihrer Einführung 1995 im Vergleich. Als Beispiel dient ein real existierender Privatversicherter, der 1995  35 Jahre alt war. Da er Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze ist, hätte er in der Sozialen Pflegeversicherung immer den hier abgebildeten Höchstbeitrag gezahlt.

Angehängt: Für die Beitragskalkulation der Privaten Krankenversicherung gelten grundsätzlich die gleichen Vorgaben wie für die Private Krankenversicherung. Der große Unterschied ist aber: Die Versicherer melden ihre Daten jährlich an den PKV-Verband. Dieser vergleicht für alle PKV-Unternehmen die erforderlichen Leistungen der PPV mit den kalkulierten Leistungen. Bei einer Abweichung von mindestens 10 Prozent erfolgt eine genauere Prüfung. Ergibt die Prüfung, dass eine Beitragserhöhung oder -senkung notwendig ist, gilt dies für alle Versicherungen. Wichtig ist: Ein unabhängiger Treuhänder muss der Beitragsanpassung zustimmen. Nur dann ist sie wirksam und die Unternehmen dürfen ihre Versicherten informieren.

Dezember 2018; Bildrechte: iStock-487538351

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