Pflegeheime: Wie gut sind sie wirklich?

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Bisher erhielten Pflegeheime überwiegend gute Pflegenoten, die letztlich zu wenig über ihre tatsächliche Qualität aussagten. Aus diesem Grund beschloss der Gesetzgeber, dass es eine neue Bewertungssystematik geben soll. Ab diesem Herbst werden die neuen Maßnahmen und Regelungen umgesetzt, ab 2020 die neuen Bewertungen sukzessive unter anderem auf www.pflegeberatung.de veröffentlicht. Die Pflegeeinrichtungen erhalten dann keine pauschale Note mehr. Stattdessen zeigt eine Übersicht die Qualität des Pflegeheims in verschiedenen Bereichen.

Wonach wird die Qualität eines Pflegeheims beurteilt?

Bei der Bewertung der Pflegeeinrichtungen werden sechs Qualitätsbereiche betrachtet und einzeln beurteilt. Ein Hauptaugenmerk liegt darauf, wie sehr die Pflegebedürftigen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten gestärkt und gefördert werden:

  1. Unterstützung bei der Mobilität und Selbstversorgung

Bei der Selbstversorgung werden die Nahrungsaufnahme, Körperpflege und (In)Kontinenz betrachtet.

  1. Unterstützung bei der Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Hier geht es unter anderem um die medizinische Versorgung (medikamentöse Therapie, Wundversorgung und Schmerzmanagement).

  1. Unterstützung bei der Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte
    Teilaspekte sind hier z.B. Beschäftigungsangebote, Hilfe bei der Tagesstrukturierung oder Unterstützung, wenn Seh- oder Hörvermögen stark beeinträchtig sind.
  2. Unterstützung in besonderen Bedarfs- und Versorgungssituationen

Hierzu gehören bspw. die Eingewöhnung nach dem Einzug oder psychische Probleme eines oder einer Pflegebedürftigen.

Die letzten beiden Qualitätsbereiche beziehen sich nicht mehr auf die jeweilige individuelle Situation der Pflegebedürftigen, sondern auf die Pflegeeinrichtung selbst und die Pflegepersonen:

  1. Bedarfsübergreifende fachliche Anforderungen

Die Pflegepersonen müssen unter anderem Gefahren und Risiken abwehren können, Hygienemaßnahmen einhalten und die Persönlichkeitsrechte der Pflegebedürftigen schützen.

  1. Organisationsaspekte und internes Qualitätsmanagement

In diesem letzten Bereich werden folgende Faktoren geprüft: Qualifikation und Aufgabenwahrnehmung durch die verantwortliche Pflegekraft, Maßnahmen im Umgang mit (drohenden) Qualitätsdefiziten sowie die Begleitung sterbender Bewohnerinnen und Bewohner und ihrer Angehörigen.

Wer beurteilt die Qualität eines Pflegeheims?

Zur Beurteilung der Qualität eines Pflegeheims tragen drei Institutionen bei:

  • die Pflegeeinrichtung selbst
  • eine Datenauswertungsstelle (DAS)
  • der Qualitätsprüfdienst (Abteilung „Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen (QPP)“ des PKV-Verbandes und der Medizinische Dienst der (gesetzlichen) Krankenversicherung (MDK))

Ab Oktober 2019 sollen Pflegeheime halbjährlich Qualitätsdaten über die Versorgung aller Bewohnerinnen und Bewohner erheben: Wie mobil ist die pflegebedürftige Person? Wie viel Unterstützung benötigt sie bei der Nahrungsaufnahme, der Hygiene? Leidet oder litt sie an einem Dekubitus, Gewichtsverlust, Folgen eines Sturzes? Sind Sicherungen wie Bettseitenteile und Gurte notwendig? Diese und weitere Fragen sind für alle Pflegebedürftigen der Einrichtung zu beantworten. So erhalten die Einrichtungen selbst auch einen ersten Überblick über die allgemeine interne Pflegesituation.

Im nächsten Schritt müssen die Pflegeheime diese sogenannten Indikatorenergebnisse an die Datenauswertungsstelle (DAS) übermitteln. Die DAS prüft, ob die Daten statistisch nachvollziehbar und glaubhaft sind. Zudem wertet sie sie aus und vergleicht die Ergebnisse aller Pflegeeinrichtungen. Jedes Pflegeheim erhält einen Bericht über die Einschätzung der gemeldeten Daten sowie darüber, wie die eigenen Ergebnisse im Vergleich zum Bundesdurchschnitt aussehen.

Die wichtigste Aufgabe im Bewertungsprozess erfüllen die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des PKV-Verbandes und des MDK: Sie besuchen die Pflegeeinrichtungen und prüfen die Qualität der Pflege vor Ort in den oben genannten Qualitätsbereichen. Hierfür wählen sie stichprobenartig neun Bewohnerinnen und Bewohner aus. Sie unterhalten sich mit diesen Pflegebedürftigen und/oder ihren Angehörigen, mit dem Pflegepersonal und beobachten die Personen sowie die Umgebung. Ihre Eindrücke vergleichen die Prüfteams mit gemeldeten Daten der Pflegeeinrichtungen und den Auswertungen der DAS. Zusätzlich befassen sie sich mit den Pflegedokumentationen und weiteren Unterlagen der Einrichtungen.

Nach erfolgter Prüfung findet ein Abschlussgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Pflegeeinrichtung statt. Zweck des Gespräches ist es unter anderem, Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung aufzuzeigen.

Innerhalb von drei Wochen erhalten die Pflegeheime sowie Einrichtungen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung einen Prüfbericht, aufgrund dessen eine Entscheidung über notwendige Maßnahmen zur Beseitigung von Qualitätsmängeln erfolgt. Setzt ein Pflegeheim die angeordneten Maßnahmen nicht um, drohen ihm Sanktionen.

Wann finden die neuen Qualitätsprüfungen statt?

Die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des PKV-Verbandes und des MDK beginnen mit ihren Prüfungen nach der neuen Systematik ab November 2019. Sie haben bis Ende 2020 Zeit, in jeder Pflegeeinrichtung in Deutschland eine erste Prüfung dieser Art durchzuführen. Danach wird jedes Pflegeheim einmal pro Jahr geprüft, bei guten Prüfergebnissen ab 2021 nur alle 2 Jahre.

Ein „Herausputzen“ für den Prüftermin zur Verbesserung der Ergebnisse ist kaum möglich: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des PKV-Verbandes bzw. des MDK melden sich nur einen Tag vorher an, wenn es sich um eine Regelprüfung handelt. Müssen sie eine Anlassprüfung durchführen, weil es Beschwerden oder Hinweise auf Mängel gab, erscheinen sie unangemeldet in der Pflegeeinrichtung.

September 2019

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