Erhalte ich ein Krankengeld, wenn mein Kind krank ist?

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Durch die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie mit zahlreichen Neuinfektionen wird immer wieder temporär und lokal die Schließung von Kindertagesstätten (Kitas), Schulen sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wie Werkstätten und Tagesförderstätten angeordnet. In der Folge können viele Eltern ihrer Arbeit nicht in vollem Umfang nachgehen, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Gesetzlich Versicherte haben deshalb einen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie ihr Kind bedingt durch die Pandemie-Maßnahmen zu Hause betreuen müssen. Das Krankengeld wird 2021 pro Elternteil und Kind für bis zu 30 Tage ausgezahlt, bei Alleinerziehenden für bis zu 60 Tage.

Diese Regelung gilt jedoch nicht für Privatversicherte und auch nicht für gesetzlich Versicherte, deren Kinder privat versichert sind. Allerdings haben diese eine andere Möglichkeit, einen Verdienstausfall wegen Betreuung ihres Kindes zum Teil zu kompensieren.

Corona: Anspruch auf Entschädigung für privatversicherte Eltern

Nach dem Infektionsschutzgesetz gibt es einen Anspruch auf Elternentschädigung, solange eine epidemische Lage von nationaler Tragweite besteht. Dies wird nach gegenwärtigem Stand voraussichtlich bis Ende November 2021 der Fall sein. So sollen Eltern vor den finanziellen Belastungen eines Verdienstausfalls geschützt werden, wenn sie ihr Kind selbst beaufsichtigen, betreuen oder pflegen müssen. Dies gilt nun auch, wenn sie ihre Arbeit grundsätzlich im Home-Office erledigen können. Einen Entschädigungsanspruch haben abhängig Beschäftigte sowie Selbstständige, wenn aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung

  • die Einrichtung zur Betreuung ihres Kindes oder die Schule ihres Kindes vorübergehend geschlossen wird oder
  • das Betreten der Einrichtung oder Schule untersagt wird oder
  • die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben wird oder
  • der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt wird oder
  • eine behördliche Empfehlung vorliegt, vom Besuch der Betreuungseinrichtung oder Schule abzusehen.

Bei gemeinsamer Betreuung erhalten Eltern eine Entschädigung für bis zu zehn Wochen Verdienstausfall, bei alleiniger Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege bis zu 20 Wochen. Voraussetzung ist wie beim gesetzlichen Kinderkrankengeld, dass das Kind unter 12 Jahre alt ist oder z. B. aufgrund einer Behinderung besondere Betreuung benötigt. Gibt es eine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit für das Kind, haben die Eltern keinen Anspruch auf Entschädigung. Selbstständige erhalten die Entschädigung direkt von der zuständigen Behörde, bei abhängig Beschäftigten zahlt der Arbeitgeber den entsprechenden Betrag aus und bekommt ihn dann von der Behörde erstattet.

Weitere Informationen – unter anderem die genauen Bedingungen für den Erhalt der Entschädigung – finden Sie auf www.ifsg-online.de. Auf einer Unterseite dieses Portals können Selbstständige und Arbeitgeber aus den meisten Bundesländern zudem direkt den Antrag auf Entschädigung stellen. Die folgenden Bundesländern bieten Informationen und die Möglichkeit eines Online-Antrags auf eigenen Internetseiten: Bayern, Berlin, Hamburg, Sachsen.

Für Beihilfeberechtigte gilt die Regelung des Infektionsschutzgesetzes nicht. Bundesbeamtinnen und -beamte sowie Tarifbeschäftigte des Bundes können aber einen Sonderurlaub beantragen. Unter Fortzahlung der Bezüge können sie so insgesamt bis zu 34 Arbeitstage (Alleinerziehende: 67 Arbeitstage) für die Betreuung ihrer Kinder verwenden. Dies gilt so lange, bis die Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite aufgehoben ist. Ähnliche Regelungen gelten grundsätzlich für die Bediensteten der Länder. Beihilfeberechtigte sollten sich diesbezüglich an ihre Dienstherren wenden, sofern sie nicht bereits ausführliche Informationen erhalten haben.

Hinweis: Das Land Nordrhein-Westfalen hat für Privatversicherte und Eltern von privatversicherten Kindern ein besonderes Programm zur „Betreuungsentschädigung“ geschaffen. Für Kinder unter 12 Jahren, die zu Hause betreut werden, kann eine Verdienstausfallentschädigung gestellt werden. Der Tagessatz beträgt pauschal 92 Euro für bis zu 10 Tage pro Kind (bei Alleinerziehenden 20 Tage). Anträge können bei der jeweiligen Bezirksregierung rückwirkend ab 5. Januar gestellt werden.

Kinderkrankengeld bei Erkrankung des Kindes

Zunächst einmal gilt: Sie haben bei Erkrankung eines Kindes unter 12 Jahren das Recht auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Je Kind stehen Ihnen 10 Arbeitstage im Jahr zu, insgesamt aber höchstens 25 Tage bei mehr als zwei Kindern. Für Alleinerziehende gilt ein erhöhter Anspruch von jährlich 20 Arbeitstagen pro Kind bzw. 50 Arbeitstagen insgesamt.

Gesetzlich Versicherte können einen Antrag bei ihrer Krankenkasse stellen und erhalten für die Zeit der Freistellung ein Krankengeld. Voraussetzung ist, dass auch die Kinder gesetzlich versichert sind. Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des entgangenen Brutto- oder 90 Prozent des Nettolohnes. Für solche und andere „versicherungsfremde Leistungen“ erhält die GKV jährlich einen Bundeszuschuss (2021: 19,5 Mrd. Euro), der von allen Steuerzahlern finanziert wird. Für das oben beschriebene „Corona-Kinderkrankengeld“ soll es zudem einen weiteren Bundeszuschuss von voraussichtlich 300 Mio. Euro geben.

Für die Private Krankenversicherung ist keine Erstattung versicherungsfremder Leistungen vorgesehen. Eine Ausgleichszahlung aus Ihrem privaten Krankentagegeldtarif ist deshalb nicht möglich. Allerdings kann Ihr Arbeitgeber im Tarif- oder Arbeitsvertrag eine Regelung festschreiben, dass er z. B. für eine bestimmte Zahl an Tagen im Krankheitsfall des Kindes Ihren Lohn trotz Freistellung fortzahlt. Fehlt eine solche Regelung, ist Ihr Arbeitgeber ebenfalls verpflichtet zu zahlen. Grundlage hierfür ist das Bürgerliche Gesetzbuch. Eine Angabe über die Fortzahlungsdauer findet sich hier nicht. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts muss der Arbeitgeber aber den Lohn für 5 Tage pro Jahr weiterzahlen, wenn das Kind jünger als 8 Jahre alt ist.

Im Zweifelsfall sollten Sie sich an Ihren Arbeitgeber wenden und nachfragen, wie er im Krankheitsfall Ihres Kindes die Entgeltfortzahlung regelt.

April 2021

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