Chefarztrechnung: Welche Regeln gelten?

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Wer Sie im Krankenhaus behandelt, hängt üblicherweise davon ab, welcher Arzt oder welche Ärztin gerade Dienst hat. Abgesehen von reinen Privatkliniken erfolgt die Abrechnung Ihres Krankenhausaufenthaltes dann über die DRG (Diagnosis Related Groups). Dabei wird nicht jede einzelne Leistung berücksichtigt, sondern je nach Diagnose und Behandlung eine Fallpauschale gezahlt, die alle Leistungen abdeckt, die Sie im Krankenhaus erhalten.

Anders verhält es sich, wenn Sie mit dem Krankenhaus eine schriftliche Vereinbarung über wahlärztliche Leistungen getroffen haben – besser bekannt als „Chefarztbehandlung“. (Was sich hinter der Chefarztbehandlung verbirgt und wer Sie in diesem Fall behandeln darf, können Sie hier nachlesen: Chefarztbehandlung: Was genau bedeutet das?)

Wie darf der Chefarzt abrechnen?

Im Anschluss an Ihre stationäre Behandlung erhalten Sie eine Abrechnung über die Leistungen, die im Rahmen der Behandlung durch einen sog. Wahlarzt (meistens Chefarzt) erbracht wurden. Diese Rechnung muss den Vorgaben der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) entsprechen, so wie Sie es als Privatversicherte auch von der ambulanten Arztbehandlung kennen. Allerdings gelten für die Chefarztbehandlung einige Besonderheiten:

Regelhöchstsatz oder Höchstsatz

Üblicherweise setzen Ärztinnen und Ärzte bei den einzelnen Gebühren den Regelhöchstsatz an. In Ausnahmefällen darf der Regelhöchstsatz bis zum Höchstsatz überschritten werden. Voraussetzung ist, dass die betreffende Leistung im konkreten Fall einen höheren Zeitaufwand erforderte oder eine besondere Schwierigkeit darstellte. Außerdem muss die Rechnung eine schriftliche Begründung enthalten, warum ein höherer Steigerungsfaktor abgerechnet wird.

Der Regelhöchstsatz (Höchstsatz) beträgt für
- persönliche ärztliche Leistungen das 2,3-Fache (3,5-Fache)
- medizinisch-technische Leistungen das 1,8-Fache (2,5-Fache)
- Laboruntersuchungen das 1,15-Fache (1,3-Fache) des einfachen Gebührensatzes.

Im stationären Bereich liegt der Steigerungssatz erfahrungsgemäß häufiger über dem Regelhöchstsatz. In den letzten Jahren traf das auf etwa ein Drittel der Krankenhausrechnungen zu. Allerdings dürfen bis zum Höchstsatz und genau zum Höchstsatz nur die Leistungen abgerechnet werden, die tatsächlich von einem Chefarzt oder seinem ständigen Vertreter bzw. seiner ständigen Vertreterin ausgeführt wurden. Wer die Vertretung übernimmt, wenn die Chefärztin ausnahmsweise verhindert ist, muss Ihnen vor der Behandlung bekannt sein.

Führt keiner von beiden, sondern eine dritte Ärztin oder ein dritter Arzt unter Anleitung des Chefarztes die Einzelbehandlung durch, darf diese Leistung höchstens mit dem Regelhöchstsatz abgerechnet werden. In welchen Situationen überhaupt ein anderer Arzt als die Chefärztin oder der Chefarzt die Behandlung oder einzelne Behandlungsschritte übernehmen darf, können Sie hier nachlesen. Ihre Chefarztrechnung nach einem Krankenhausaufenthalt kann also in Ausnahmefällen durchaus auch vereinzelt einfache Leistungen enthalten, die weder von der Chefärztin oder ihrer Vertretung erbracht wurden, sondern von einem dritten qualifizierten Arzt. Sie müssen dann aber nur maximal den 2,3-fachen Gebührensatz zahlen.

Möglichkeit der Honorarvereinbarung

In einer Chefarztrechnung darf der Höchstsatz auch überschritten werden. Hierüber müssen Sie aber vorab informiert worden sein und eine schriftliche Honorarvereinbarung unterzeichnet haben. Allein der Chefarzt oder die Chefärztin darf eine solche Vereinbarung mit Ihnen treffen und dann über dem Höchstsatz abrechnen. Für die Leistungen eines Vertreters oder einer Vertreterin ist dies nicht zulässig.

Eine nähere medizinische Begründung für die höhere Vergütung ist zwar nicht vorgeschrieben, Sie können sie jedoch verlangen. Auf jeden Fall sollten Sie zunächst prüfen oder ggf. bei Ihrer privaten Krankenversicherung nachfragen, ob Ihr Tarif eine Kostenerstattung bei Honorarvereinbarungen vorsieht. So können Sie unerwartete finanzielle Belastungen vermeiden. Sollten Sie einen Anspruch auf Beihilfe haben, beachten Sie bitte insbesondere, dass Sie grundsätzlich über den Höchstsatz hinaus keine Beihilfe erhalten. 

Minderung der Chefarztrechnung

Bei einer Chefarztrechnung für eine stationäre Behandlung wird nie die volle von der GOÄ vorgesehene Gebühr abgerechnet. Vielmehr schreibt die GOÄ in jedem Fall eine Gebührenminderung vor. Denn die in der GOÄ enthaltenen Gebührenpositionen berücksichtigen neben der reinen ärztlichen Leistung auch z. B. Sach- und Personalkosten, die mit den jeweiligen Leistungen verbunden sind. Im Krankenhaus sind diese Kosten jedoch bereits durch die Fallpauschalen abgegolten, die das Krankenhaus Ihnen ebenfalls in Rechnung stellt oder mit Ihrer PKV abrechnet. Bei einer Chefarztrechnung in voller Höhe gemäß GOÄ würden Sie deshalb doppelt für Sach- und Personalkosten zahlen, obwohl die Leistungen nur einmal erbracht wurden. Aus diesem Grund muss die wahlärztliche Rechnung, also die Rechnung für die Chefarztbehandlung, um 25 Prozent gemindert werden.

In einzelnen Fällen kann Ihr Wahlarzt oder Ihre Wahlärztin persönlich unter engen Voraussetzungen andere niedergelassene Ärzte hinzuziehen. So etwa, wenn es um ganz spezielle Leistungen geht, die der Chefarzt selbst nicht erbringen kann. Für diese Leistungen gilt dann ein Minderungssatz von 15 Prozent.

Die Gebührenminderung bezieht sich grundsätzlich auch auf Zuschläge, die zusätzlich zu den Gebühren für bestimmte Leistungen berechnet werden können – z. B. Zuschläge für sonographische Leistungen nach Kapitel C. VI. der Gebührenordnung. Denn auch sie sind bereits Bestandteil der Leistungsvergütung über die Fallpauschalen.

Was ist von der Chefarztrechnung ausgenommen?

Eine Chefärztin bzw. ein Chefarzt darf bei einer wahlärztlichen Vereinbarung alle Leistungen extra abrechnen, die sie oder er selbst erbringt. Springt bei ihrer Verhinderung ausnahmsweise ihr vorab benannter Vertreter oder ihre Vertreterin ein, dürfen sie auch deren Leistungen in Rechnung stellen.

Anders verhält es sich, wenn eine andere Ärztin oder ein anderer Arzt des Krankenhauses die Behandlung übernimmt. Dies darf der Chefarzt nur in Rechnung stellen, wenn es keine Kernleistung der notwendigen Behandlung ist, die Ärztin qualifiziert ist und unter seiner Aufsicht sowie nach seiner fachlichen Weisung agiert hat. Der Chefarzt darf also nicht in der Art verhindert sein, dass er nicht jederzeit eingreifen bzw. hinzugebeten werden könnte. Selbst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dürfen die folgenden Leistungen dann dennoch nicht abgerechnet werden:

  • Aufnahme- und Entlassungsuntersuchung (Nr. 1-62 GOÄ innerhalb 24 Stunden nach Aufnahme und innerhalb 24 Stunden vor Entlassung);
  • Visiten (Nr. 45 und 46 GOÄ);
  • Verweilen (Nr. 56 GOÄ);
  • Anlegen eines Verbands (Nr. 200 GOÄ);
  • Blutentnahme (Nr. 250 und 250a);
  • Injektion (Nr. 252 GOÄ);
  • Infusionen, intravenös (Nr. 271 und 272 GOÄ).

Diese Leistungen dürfen nur dann in der Chefarztrechnung auftauchen, wenn der Chefarzt oder die Chefärztin sie tatsächlich selbst ausgeführt hat.

Besonderheiten gelten auch für im Rahmen stationärer Krankenhausbehandlung erbrachte Physikalisch-Medizinische Leistungen nach Kapitel E. Zu ihnen gehören beispielsweise Inhalationen und Krankengymnastik. Diese dürfen nur unter der Voraussetzung, dass der Chefarzt bzw. sein ständiger Vertreter Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin ist oder die Zusatzbezeichnung Physikalische Therapie führt, delegiert werden.

November 2020

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