Fehlerhafte Brustimplantate

Der Skandal um die schadhaften Brustimplantate der Firmen Poly Implant Prothése (PIP), Rofil Medical und GfE Medizintechnik (Produkt „TiBreeze“) hat auch in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Januar 2012 empfohlen, dass die betroffenen Implantate als Vorsichtsmaßnahme entfernt werden sollten. Oft gefragt wurde vor diesem Hintergrund, unter welchen Bedingungen die Private Krankenversicherung die Kosten für die Entfernung und den Ersatz der Implantate trägt.

Die private Krankenversicherung leistet gemäß § 192 Absatz 1 des Versicherungsvertragsgesetzes/§ 1 Absatz 2 der Musterbedingungen 2009 für die Krankheitskosten und Krankenhaustagegeldversicherung im vereinbarten Umfang die Aufwendungen für medizinisch notwendige Heilbehandlung wegen Krankheit oder Unfallfolgen.

Wurden bei privatversicherten Personen schadhafte Brustimplantate eingesetzt, von denen ein konkretes Gesundheitsrisiko ausgeht, gehört die Entfernung zur medizinisch notwendigen Heilbehandlung. Die PKV trägt die Aufwendungen für die Entfernung unabhängig davon, ob die Implantate aus medizinischen oder anderen Gründen eingesetzt wurden. Maßstab ist allein die objektive medizinische Notwendigkeit. Die Leistungspflicht entfällt nur bei vorsätzlicher Herbeiführung des Versicherungsfalls.

Werden die Kosten für ein neues Brustimplantat erstattet?

Im Hinblick auf die medizinische Notwendigkeit und damit die Leistungspflicht der Privaten Krankenversicherung für das Einsetzen eines neuen Implantats oder den Brustaufbau bzw. die Brustrekonstruktion ist eine Betrachtung des Einzelfalls erforderlich. Maßgeblich ist die konkrete Situation bei der behandelten Patientin. Wenn der Einsatz des Implantats im Rahmen einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung erfolgte, ist in der Regel auch der Implantatersatz oder der sonstige Wiederaufbau der Brust als medizinisch notwendige Heilbehandlung einzustufen. Die entsprechenden Aufwendungen werden übernommen.

Erfolgte der Einsatz des Implantats aus kosmetischen bzw. ästhetischen Gründen, muss ebenfalls im Einzelfall entschieden werden, ob der Ersatz des Implantats bzw. der Wiederaufbau der Brust medizinisch notwendig ist. Entscheidend ist, ob diese Maßnahmen erforderlich sind, um einen Krankheitszustand zu behandeln – etwa im Hinblick auf die Gewebeveränderungen infolge des Implantats. Da die Konstellationen, in denen die Implantate verwendet wurden, sehr vielgestaltig sind, ist eine generelle Aussage über die medizinische Notwendigkeit für jeden Einzelfall nicht möglich. Ist der Ersatz medizinisch notwendig, trägt die private Krankenversicherung die hierfür erforderlichen Aufwendungen.

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